≡ Menü

Zucker ist das neue Rauchen:
der Kampf gegen Kinderwerbung im TV

Zucker Rauchen Kohlenhydrate Tabelle

Wo man hinschaut…. Zucker, Zucker, Zucker ( = Kohlenhydrate). Als ob das nicht genug wäre, gibt es auch noch überall Werbung, besonders im TV. Leichtes ‚Opfer‘ für Werbung sind natürlich auch Kinder. Dass man dem Einhalt gebieten muss, dass zeigt auch eine Foodwatch-Studie, auf die sich manche Politiker nun stützen, um dem Zucker den Kampf anzusagen – zumindest in puncto Werbung. 

„Zucker ist der neue Tabak“

Dieser knackige Slogan macht auf einen Missstand aufmerksam, der wohl noch einiges an Schaden anrichten wird und unsere Gesellschaft noch viel Geld kosten dürfte. Gesagt hat diesen Satz Renate Kühnast. Die grüne Politikerin ist derzeit als Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verbraucherschutz in Sachen Ernährung engagiert.

Es geht um eine aktuelle Foodwatch-Studie. Dieser zufolge unterläuft die Lebensmittelindustrie konsequent eine freiwillige Selbstverpflichtung aus dem Jahre 2007. Die damalige Selbstverpflichtung der wichtigsten internationalen Lebensmittel-Konzerne besagte, dass die Hersteller ihre auf Kinder bezogenen Marketing-Aktivitäten zugunsten gesunder Lebensmittel ändern wollten. Die Lebensmittel-Werbung für Kinder bewirbt allerdings trotz damaliger Einsicht vor allem zuckerlastige Lebensmittel. Für diese kann der Begriff „ausgewogen“ nicht gelten.

Kinder unter zwölf Jahren werden, so scheint es, systematisch zuckerabhängig gemacht.

Die mächtige Zuckerindustrie

Schon Dr. Otto Bruker, seines Zeichens unter anderem Sachbuchautor und Arzt, verlor eine Fehde gegen die mächtige Zuckerindustrie. Er scheiterte letzten Endes an den Lobbyisten, die weiterhin unbekümmert und aus geschäftlichen Interessen heraus für immer mehr Diabetes und Fettsucht in unserer Gesellschaft sorgen. Als Einzelner konnte Bruker seinerzeit nicht viel ausrichten. Nun aber fordert auch Foodwatch, dass das Marketing für Lebensmittel, die sich an Kinder bis 16 Jahre richten, nur noch Lebensmittel berücksichtigen soll, die den Nährwert-Kriterien der World Health Organization (WHO) genügen. Kühnast fordert sogar, dass sich Verbote etablieren müssten, die denen der Tabakindustrie angeglichen werden. Das Sucht- und Krankheitspotenzial von Zucker werde immer noch unterschätzt.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bläst ins selbe Horn. Die Politik müsse der Lebensmittel-Industrie endlich klare Grenzen vorschreiben, fordert er. Lediglich Ernährungsminister Christian Schmidt von der CSU bewertet das Gefahrenpotenzial nicht so eng. In Gesetzen sieht er trotz der Ergebnisse der Foodwatch-Studie nicht den richtigen Weg, um Kinder gesünder zu ernähren.

Was besagt die Foodwatch-Studie?

Eine neue Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch hatte das aktuelle Verhalten aller damaligen Unterzeichner der Selbstverpflichtungserklärung durch Überprüfung der Marketingmaßnahmen für 281 an Kinder gerichtete Produkte ins Visier genommen. Nur 29 der insgesamt 281 getesteten Produkte erfüllten die WHO-Kriterien für eine sinnvolle Nährstoff-Zusammensetzung – also gerade mal etwa 10%… Demnach dürfte für 90 Prozent der getesteten Nahrungsmittel keine Werbung mehr gemacht werden. Die Foodwatch-Studie wirft den Lebensmittel-Herstellern vor, immer noch gezielt Marketing-Maßnahmen an Kinder zu richten. Diese betreffen vor allem Nahrungsmittel mit viel Zucker, Süßigkeiten und stark gezuckerte Limonaden. Gezielte Lebensmittel-Werbung für Kinder verspricht hohe Umsätze. Der auf Süßes geeichte Geschmackssinn der Kinder sorgt dafür, dass zahllosen Lebensmitteln Zucker zugesetzt wird, um diese Neigung auch im Erwachsenenalter zu befriedigen.

Die Folgen für die Gesellschaft sind dramatisch: Zuckersucht, Diabetes Typ 2, Adipositas und andere ernährungsbedingte Erkrankungen sind rasant auf dem Vormarsch.

Nützen gesetzliche Verbote etwas?

Erneut liegen Forderungen verschiedener Instanzen auf dem Tisch, endlich an Kinder gerichtete Werbeverbote umzusetzen. Kühnast sagte, Ernährung sei die neue soziale Frage. Sie entscheide darüber, ob man Übergewicht habe, aber auch über Ausgrenzung, Krankheitshäufigkeit oder einen guten Start ins Leben. Kühnast sieht – wie Bruker – im Zucker das größte Ernährungs-Übel. Sie weist auf die Epidemiehaftigkeit und die Folgen des überhöhten Zuckerkonsums hin.

Da die Selbstverpflichtung offenbar nicht funktioniert, sind Gesetzesvorgaben aus ihrer Sicht zwingend. Der Konsum von Zucker müsse bereits im Kindesalter eingedämmt werden. Ohnehin hatten nicht alle Lebensmittelhersteller die Selbstverpflichtung unterzeichnet. Die Selbstverpflichtung umfasste weder die Packungsgestaltung noch die Gestaltung der Verkaufsdisplays. Im Übrigen seien nicht nur Kinder bis 12 Jahre schützenswert, sondern Kinder bis 16 Jahre. Schaut man sich den massiven Cola-Konsum der 12-16jährigen an, kann es eigentlich keinen Zweifel am Suchtcharakter geben.

Bewusste Verbrauchertäuschung muss unterbunden werden

Zumindest die Eltern von Kindern sollten die Ergebnisse der Foodwatch-Studie wichtig nehmen. Der Konsum von Zucker und anderen Kohlenhydraten sollte überwacht werden. Die Aufklärung über gesunde Ernährung müsste auf allen Ebenen wichtiger genommen werden. Vor allem aber sollte die Lebensmittel-Werbung für Kinder überdacht werden. Es sei eine bewusste Strategie und Taktik der Hersteller, Gesetzesvorgaben zu verhindern und mit nicht bindenden Selbstverpflichtungen die Verbraucher zu täuschen. So, wie Kinder gesundes Essverhalten lernen können, lernen sie durch entsprechendes Marketing auch, ungesunden Nahrungsmitteln den Vorzug zu geben. Daher fordert Foodwatch, dass es verbindliche Standards für Schulspeisungen und Kita-Essen geben solle. Es müsse eine nationale Strategie gegen den Einsatz von Zucker oder Salz in der Lebensmittelherstellung geben. Möglicherweise müsse man gesunde Lebensmittel steuerlich begünstigen. Auch eine Ampel-Kennzeichnung, die leicht erkennbar gesunde von ungesunden Lebensmitteln unterscheide, sei sinnvoll.

Hier ein noch kleiner Videobericht dazu auf N24 >>>

Mein Fazit

In der Tat dürften uns da in Zukunft noch einige Diskussionen und Probleme blühen…, zumindest wenn wir so weiter machen wie bisher. Es ist natürlich leicht, einen Sündenbock zu suchen und ihn zu finden, hier in Gestalt so mancher Vertreter der Lebensmittel-Industrie. Und sicherlich sind einige ’schwarze Schafe‘ dabei. Die Politik muss hier also helfen, feste Regeln vorzugeben, an die sich die Beteiligten halten müssen.

Allerdings ist es sehr einseitig, die Verantwortung nur auf eine Seite abzuschieben – nämlich auf ‚die Anderen‘. Als Eltern, Geschwister, Tante, Onkel, Großeltern etc haben wir die Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, zumindest in unseren eigenen 4 Wänden. Klar, wenn das Kind den ganzen Tag fern sieht ist es automatisch auch den Werbungen ausgesetzt. Hier könnte man z.B. ansetzen. Aber auch beim Essen, das man zu Hause kocht. Es kann mir keiner weiß machen, dass es nicht möglich ist, Kinder für natürliche und weitestgehend ungezuckerte Lebensmittel zu begeistern, oder sie zumindest daran zu gewöhnen, sodass die Folgen des überhöhten Zuckerkonsums stark eingeschränkt werden. Und natürlich kann man den Kleinen auch ein (gutes oder schlechtes) Vorbild sein.

Siehe hierzu auch meinen Artikel von letzter Woche:

Warum unsere Kinder dick und unsportlich sind

Was ist Deine Meinung dazu? Hinterlasse mir doch einen Kommentar unterhalb dieses Artikels im dafür vorgesehenen Kommentarfeld.

Kohlenhydrate-Tabellen.com ist auch auf google+, facebook und twitter zu finden.