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Wenn gesunde Ernährung krank macht:
Orthorexia nervosa

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Orthorexia nervosa: Ernährung zum Verzweifeln

Wenn es um Essstörungen geht, so ist meistens die Rede von Bulimie, Esssucht, Magersucht oder auch ‚binge eating’. Eine weitere sich auf dem Vormarsch befindende Essstörung ist Orthorexia nervosa, unter der vor allem Frauen und höher gebildete Menschen leiden. Wie dieser Artikel zeigt kann auch der Versuch sich gesund zu ernähren seine Nachteile mit sich bringen.

Lesezeit: ca 6 min.

Was ist Orthorexia nervosa?

Menschen, die unter Orthorexia nervosa leiden, leiden unter der krankhaften Annahme, nur gesundes Essen zu sich nehmen zu wollen. Dies zeigt sich schon bei der Übersetzung des aus dem griechischen stammenden orthós = richtig und órexi = Appetit. Letztlich ist hier die Angst vor Krankheiten basierend auf ungesundem Essen die eigentliche Krankheit Diese sogenannten „krankhaften Gesundesser“ werden daher Orthorektiker genannt, die Krankheit nennt man „krankhaftes Gesundessen“.

Vor allem Frauen und Personen der oberen Bildungsschichten sollen von dieser Krankheit betroffen sein. Sie informieren sich intensiver über Fragen der gesunden Ernährung und somit kann sich hier eher das Problem einer übertriebenen Fixierung auf gesunde Nahrungsmittel ergeben. Dies bestätigen auch Ärzte und Experten, die sich mit dieser noch nicht lange erforschten Krankheit Orthorexia nervosa befassen.

Wenn gesunde Ernährung krank macht

Dadurch, dass diese Menschen krankhaft darauf bedacht sind nur gesund zu essen, können unbegründete Ängste vor Nahrungsmitteln aller Art entstehen. Gegessen wird sodann nur noch unter dem Blickwinkel der angeblichen Gesundheit. Bei diesen krankhaften Gesundessern meldet sich sofort das schlechte Gewissen, wenn sie etwas vermeintlich Ungesundes essen. Der krankhafte Gesundesser rechnet genau aus, welche Vitamine und Spurenelemente ein Gericht enthält, bevor er überhaupt etwas zu sich nimmt. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kreisen die Gedanken der Orthorektiker fast nur noch um das Essen und was erlaubt ist und was nicht.

Dadurch, dass das Essen und die Ernährung nur noch unter dem Aspekt der angeblichen Gesundheit geplant wird, entfällt natürlich auch jeder Genuss und jede Freude am Essen. Auch der soziale Aspekt kann bei den krankhaften Gesundessern sodann völlig in den Hintergrund treten. Denn aus Angst, etwas Falsches zu essen, werden Einladungen von Freunden zum Beispiel gar nicht erst angenommen.

Orthorexia nervosa auf einer Stufe mit Bulimie und Magersucht

Der Auslöser der Orthorexia nervosa kann zum Beispiel sein, dass ein unter einer chronischen Krankheit Leidender sich intensiv mit gesunder Ernährung befasst. Zu Beginn steht daher vor allem im Vordergrund, schlechte Essgewohnheiten abzulegen, die diese chronische Krankheit begünstigen. Dies kann jedoch sodann zu einem einseitigen Essverhalten führen, welches erst recht Krankheiten und Mangelerscheinungen des Körpers begünstigen kann. Experten stellen daher diese Krankheit bereits auf die gleiche Stufe mit den Essstörungen Bulimie und Magersucht. Letztere konzentrieren sich jedoch auf die Quantität des Essens, die krankhaften Gesundesser konzentrieren sich eher auf die angebliche Qualität des Essens. Bei allen drei Essstörungen handelt es sich jedoch um die absolute Kontrolle über den eigenen Körper und sich selbst; bei den krankhaften Gesundessern geht es jedoch auch noch darum, angeblich die absolute Gesundheit zu erreichen.

Laut den Ernährungsexperten und Ärzten gibt es jedoch keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel, wenn alles in Maßen genossen wird. Es kommt daher in erster Linie auf die Zusammensetzung, die Menge und die Auswahl an, welches ein Gericht ungesund oder gesund werden lässt. Weiterhin benötigen viele Menschen scheinbar kleine ‚Ess-Sünden’ zwischendurch, um ein glückliches und ausgeglichenes Leben führen zu können und nicht aus Verzicht auf etwas zu leiden. Diese Zwanglosigkeit mit Essen umzugehen haben die krankhaften Gesundesser jedoch leider völlig verloren.

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  • Lars 20. April 2014, 16:48

    Ich finde den Artikel sehr interessant. Vor allem, weil es mittlerweile unzählige Ernährungsweisen von low fat bis low carb oder high carb bzw. vegan gibt und diese ganzen Ernährungsformen sich untereinander alle widersprechen.
    Auch wenn es sich nicht viele eingestehen wollen, so bin ich doch der festen Überzeugung, dass die meisten Veganer sich nur vegan ernähren, weil sie sich möglichst gesund im Zuge der oben beschriebenen Krankheit ernähren wollen. Denn 99% der Videos dieser Vegan-Gurus im Internet beschäftigen sich nur um die Gesundheit und 1% um das Wohl der Umwelt.

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  • Beate 25. September 2012, 21:14

    die gängige Meinung, dass Getreide gesund sei, ist bedauerlicherweise immer noch, sogar bei der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) fest verwurzelt.

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    • Kohlenhydrate Tabelle 26. September 2012, 08:01

      Hallo Beate. Ist anzunehmen, dass auch hier das Ganze in gewisser Weise von der ja nicht ganz unbedeutenden Industrie der Getreidebauern getrieben ist? Oder ist die DGE in erster Linie vorsichtig und will nicht jedem Trend hinterherlaufen? Was meinen Sie?

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  • Panek 20. September 2012, 20:27

    Ein sehr interessanter Artikel. Ich bin der Meinung, dass man vor allem in der heutigen Zeit doch sehr auf seine Ernährung achten sollte. Denn die meisten Lebensmittel sind heutzutage nun mal Massenware. Ich gehöre auch zu denen die Bioprodukte kaufen oder eben gesunde Lebensmittel. Allerdings sollte man sich nicht auf Teufel komm raus einschränken und nur noch mit einer Gesundheitsbrille in der Gegend rumlaufen. Und hin und wieder eine Ess-Sünde kann doch nicht schaden. Im Gegenteil!!! (-:
    Viele Grüße

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    • Kohlenhydrate Tabelle 21. September 2012, 10:42

      Danke für den Kommentar. Das Problem scheint auch zu sein, dass es nicht jedem klar ist, wie „gesund“ zu definieren ist. Gemäß der gängigen Meinung ist z.B. Getreide gesund, für die Anhänger der Paleo-Ernährung aber kann gerade Getreide sehr schädlich sein und wird für viele Autoimmunkrankheiten verantwortlich gemacht. Dass es da zu Verwirrung und der Ausprägung einer ‚Orthorexia nervosa‘ kommen kann scheint irgendwie nachvollziehbar. Ernährung ist tatsächlich in gewisser Weise eine Wissenschaft… :)

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