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Wechseljahre: Interview mit Buchautorin Ellen Cornely-Peeters

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Heute habe ich für Dich ein kurzes Interview mit Ellen Cornely-Peeters, Ihres Zeichens Wechseljahre-Expertin und Autorin des Buches „Ach Meno! Eine Wechseljahre-Beraterin macht Mut“. Im Interview geht es u.a. um die Chancen und Ernährung in den Wechseljahren.

Wenn Sie Frauen in den Wechseljahren nur einen einzigen Tipp geben könnten, basierend auf Ihrer Spezialisierung und basierend auf Ihrer Erfahrung: Was wäre das, und warum gerade dieser Tipp?

Die Wechseljahre sind mitunter eine überaus turbulente Lebensphase, die unser Leben ganz schön aus dem Rhythmus bringen kann.

Leider wird die Zeit der Hormonumstellung mit sehr viel Negativem in Verbindung gebracht. Vor allem die oft schwarzmalerische Berichterstattung treibt vielen Frauen schon vor lauter Sorge, zu einem gestörten Mangelwesen zu mutieren, den Schweiß auf die Stirn. Hormonstörungen, Hormonmangel, Schlafstörungen, Sexualstörungen, Libidoverlust, um nur einige zu nennen. All das trägt nicht gerade dazu bei in Jubel ausbrechen, wenn sich die Wechseljahre ankündigen.

Daher lautet mein Tipp: „keep cool“.

Keep cool bedeutet frei übersetzt ja so viel wie: einen kühlen Kopf bewahren! Ruhig Blut! Keine Panik! Alles wird gut!

Keep cool umschreibt für mich aber vor allem, ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln, sie wahrzunehmen und im Besonderen, sie anzuerkennen. Und genau dabei unterstützt uns die Hormonumstellung.

Haben wir uns bisher wie selbstverständlich um das Wohl Anderer gekümmert, sorgt der Rückzug der Sexualhormone dafür, dass wir immer weniger Lust auf Umsorgen und „Betüddeln“ haben. Sei es in der Familie, im Job und /oder beides.

Stattdessen rückt das Bedürfnis nach „Unabhängigkeit“, die Lust unser eigenes Ding zu machen, in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Macht uns mutig, noch einmal neue Projekte zu wagen. Eine große Chance, Träume zu verwirklichen, die aus vielerlei Gründen vielleicht lange darauf gewartet haben, endlich gelebt zu werden. Und das ist ein wunderbares Geschenk für alle Frauen.

Physiologischer Weise kann unser Körper die Wechseljahre gut meistern. Stress und unangemessene Ernährung erweisen sich allerdings als die größten Gegner einer entspannten Hormonumstellung. Mit negativen Auswirkungen auf unser körperliches und unser seelisches Wohlbefinden. Wir schlafen schlechter, sind schneller erschöpft und nehmen vielleicht über das normale Maß hinaus an Gewicht zu.

Sie haben eben Stress erwähnt. Davon ist immer wieder die Rede, also wie schlecht Stress für Frauen in den Wechseljahren ist, aber auch für uns Menschen generell, egal ob Frau oder Mann und egal ob in den Wechseljahren oder nicht. Im Prinzip ist das wohl den meisten Menschen auch bewusst. Nur an der Umsetzung hapert es. Was empfehlen Sie Ihren Klientinnen in den Wechseljahren bezüglich Stressreduzierung?

Eine höhere Sensibilität für Stress bzw. eine veränderte Stressresistenz ist ein typisches Phänomen der beginnenden Wechseljahre und tatsächlich gesondert zu betrachten. Allein die Hormonumstellung sorgt dafür, dass Frauen ab der Praemenopause besonders sensibel auf den „üblichen „Alltagswahnsinn“ reagieren. Sie fühlen sich schneller überfordert und sind schneller am Limit als bisher.

Und das ist nicht verwunderlich, denn in dieser Phase sinkt der Progesteronspiegel. Progesteron sorgt unter anderem für die nötige Gelassenheit und Entspannung, macht uns unempfindlicher gegen Stress und lässt uns gut schlafen. Sinkt der Hormonspiegel im Laufe der Wechseljahre unter unseren Wohlfühlwert ab, sinkt damit auch die Stressresistenz. Gleichzeitig powert das Östrogen ganz ungeniert und macht uns zusätzlich nervös.  Wir schlafen schlechter, was uns wiederum stressempfindlicher macht.

Daher ist meine Empfehlung für alle stressgeplagten Menschen: Schaut euch um in eurem Leben. Was ist wirklich wichtig? Was kann umorganisiert werden? Was kann ich loslassen? Was brauche ich nicht mehr?

Termine für Sport, eine gesunde, in Ruhe eingenommene Mahlzeit sollten jedoch in keinem Terminkalender fehlen. Sie gehören zu einer guten Work Life Balance unbedingt dazu. Sie bildet die Basis für eine gute Hormonbalance.

Viel frisches Gemüse und Obst, hochwertige Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate versorgen uns mit lebenswichtigen Vitalstoffen.

Regelmäßige Bewegung baut Stress ab. Der Weg zur Arbeit kann ggf. mit dem Rad zurückgelegt werden. Der Aufstieg in den 5. Stock über die Treppe, statt mit dem Aufzug.

Mein Favorit für entspannenden Sport: Nordic Walking. Auf moderate, aber sehr effektive Weise wird der Stoffwechsel und damit die Verdauung angeregt, überschüssiges Fett abgebaut und Muskulatur aufgebaut. Das wirkt sich positiv auf unseren Energielevel aus. Wir schlafen besser, fühlen uns ausgeglichen, entspannt und die Stimmung steigt.

Ein Powernap, eine Kurzmeditation, oder eine Atemübung lassen sich gut in der Pause am Arbeitsplatz integrieren, um der Stressspirale zu entkommen.

Apropos Ernährung, die Sie gerade erwähnt haben: Welche Empfehlungen haben Sie hier für Frauen in den Wechseljahren, die man als weitestgehend allgemeingültig ansehen kann?

Die Empfehlung lautet, mindestens 5 Portionen Gemüse und Obst pro Tag zu verzehren. Möglichst regional und biologisch angebaut, um das Mitessen von Giftstoffen und hormonaktiven Zellgiften auf ein Minimum zu reduzieren.

Grüne Gemüse und Beeren sollten neben Wurzelgemüse die Spitzenreiter bei der Produktauswahl sein. Allen voran Brokkoli, grüne Bohnen und Kohlsorten, Bittersalate wie Endivie, Chicorée, Löwenzahn, Rucola oder Feldsalat. Aber auch Kräuter wie Petersilie, Kresse, Thymian, Rosmarin, Oregano u.v.a.m. Beispielhaft sollten reichlich Himbeeren, Blaubeeren und Johannisbeeren die gesunde Vielfalt ergänzen.

In all diesen Lebensmitteln finden sich nachweislich besonders gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe, die hormonausgleichend, entzündungshemmend, leberstärkend, entgiftend und verdauungsfördernd wirken.

Saaten, Samen und Nüsse versorgen uns mit lebenswichtigen essentiellen Fettsäuren und Eiweißen. Hochwertige Eiweiße finden wir auch in Hülsenfrüchten und Vollwertgetreide. Fisch vs. Algen liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren.

Natürlich gehören auch Kohlenhydrate zu einer vollwertigen Ernährungsweise. Hier sind eindeutig Sie, Herr Altmann, der Experte. Fleisch, Wurstwaren und Käse sollten eher selten gegessen werden.

Die Natur ist so vielseitig, dass für jeden das Richtige dabei ist. Heißt, dass, was ich esse, sollte mir auch bekommen, sollte gut verträglich sein. Es nützt nichts, wenn all die guten Dinge nicht verstoffwechselt werden können. 1,5 bis 2 Liter reines Wasser benötigen wir täglich, um unseren Körper zu bewässern. Nur so können die guten Nährstoffe in die Zellen transportiert und die Abfallstoffe ausgeschwemmt werden.

Zum Abschluss möchte ich gerne noch auf etwas eingehen, das Sie auf Ihrer Webseite erwähnen. Sie schreiben dort, dass Frauen die Wechseljahre als Chance sehen können. Wollen Sie das hier kurz erläutern, also warum es aus Ihrer Sicht eine Chance ist, wo die Chance liegt und wie diese am besten genutzt werden kann?

Meine Arbeit als Wechseljahre-Beraterin steht ganz bewusst unter dem Motto ChaCha-Chance to Change. Schon früh in meiner Weiterbildung wurde mir klar, dass heftige Wechseljahresbeschwerden immer auch Signale sind, die wahrgenommen und vor allem ernstgenommen werden möchten, und müssen.

Je besser wir nachspüren, je früher wir uns ihnen stellen, desto eher lernen wir, die Botschaft dahinter zu entschlüsseln. Sei es auf körperlicher oder seelischer Ebene. Z.B. hoher Blutdruck: Wer oder was setzt mich denn unter Druck? Oder: Das Gedankenkarussell kommt nicht mehr zur Ruhe: Welche Gedanken drehen sich denn immer wieder im Kreis? Das genau sind die Themen, die angeschaut und bearbeitet werden sollten.

Die Hormonumstellung und der damit verbundene Rhythmuswechsel bietet allen Frauen die wunderbare Gelegenheit, sich selbst noch einmal ganz neu kennenzulernen. Ein frischer und klarer Blick auf das Leben eröffnet uns die einmalige Chance, SELBST-bewusster und SELBST-bestimmter in die zweite Lebenshälfte durchzustarten. Je früher wir also unsere wahren Bedürfnisse anerkennen, je besser wir für uns sorgen, desto größer ist die Chance, Wechseljahresbeschwerden auf ein Minimum zu reduzieren und eine gesunde, vitale und erfüllte Zukunft zu gestalten.

Daher möchte ich alle Frauen begeistern und ermutigen, ihre persönliche Chance für sich zu entdecken. Die Wechseljahre sind genau die richtige Zeit.

———– Ende des Interviews ———–

Das Buch „Ach Meno! Eine Wechseljahre-Beraterin macht Mut“, das 2021 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, findest Du beim Buchhändler vor Ort, oder in führenden online Buchshops, wie z.B. hier auf Thalia.de.

Einen Ausschnitt des Buches findest Du hier:

Ach Meno! Eine Wechseljahre-Beraterin macht Mut.

 

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