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Übergewicht durch Medikamente

Bild: Medikamente verursachen Übergewicht | Kohlenhydrate-Tabellen.com

Bitte beachte: Dieser Beitrag stellt in keiner Weise einen ärztlichen Ratschlag dar. Zweck dieses Beitrags ist nicht, den Besuch eines Arztes oder die Behandlung durch einen Arzt zu ersetzen. Dieser Beitrag soll lediglich generell, unverbindlich aber nicht abschließend über die Studienlage informieren.

25% nehmen zu

Verschiedene Medikamente verhindern das Abnehmen, oder lassen die Betroffenen zunehmen. Mediziner schätzen, dass ungefähr 25% aller Patienten, die bestimmte Medikamente erhalten, Gewicht zunehmen (Quelle: siehe Fußnote 1 am Ende dieses Beitrags).

Interessant ist die Frage, warum bei einem Viertel der Patienten, die dieselben Medikamente nehmen, Gewichtszuwächse bzw. eine Stagnation des Gewichts vorliegen und bei allen anderen nicht.

Vermutlich spielen auch andere Parameter eine Rolle. Dazu passt, dass die Gründe, wegen derer das Gewicht stagniert oder steigt, für behandelnde Ärzte oft wohl nicht klar ersichtlich sind.

Manche Medikamente steigern den Appetit, andere verlangsamen den Stoffwechsel. Manche steigern die Östrogenmenge. Östrogen ist ein Hormon, das Fettzellen einspeichert. Damit wäre zumindest ein Gewichtszuwachs oder Stagnationen erklärt.

Nimmt jemand aufgrund eines bestimmten Medikaments zu, wird es meist gegen ein ähnliches Präparat ausgetauscht. Neuere Präparate können hier besser abgestimmt sein als die älteren.

Frauen nehmen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung generell leichter zu als Männer. Sie leider nehmen auch schwerer wieder ab. Nicht wenige Frauen werden davon ein Lied singen können. Allerdings kann es auch in gewisser Weise ‚befreiend’ wirken, zu wissen, dass es an Mutter Natur liegt, statt an einem selber.

Welche Medikamente können für Übergewicht verantwortlich sein?

Medikamente gegen Diabetes

Bei Diabetes-Medikamenten stehen besonders die Sulfonylharnstoffe im Verdacht, Gewichtszunahmen zu verursachen (1).

Die Gewichtszunahme ist eine häufige, aber wohl nicht ausreichend erforschte Nebenwirkung von Insulin (2) und anderen Blutzucker-Senkern. Zu diesen gehören neben den Sulfonylharnstoffen auch die Meglitinide und Thiazolidinedione.

Oft haben Menschen mit Diabetes bereits Übergewicht, bevor sie Medikamente gegen zu hohen Blutzucker verschrieben bekommen. In diesem Fall haben sowohl Insulinpräparate als auch die anderen genannten Diabetes-Medikamente sozusagen leichtes Spiel (3).

Dadurch entsteht ein Teufelskreis, denn Übergewicht begünstigt Diabetes und alle Folgeerscheinungen…

Medikamente gegen Psychosen oder Schizophrenie

Der Appetit wird über bestimmte Medikamente gegen Psychosen oder Schizophrenie angeregt (1).

Präparate mit Chlorpromazin, mit Thioridazin oder Olanzapinen stehen im Verdacht, Gewichtszuwächse zu verursachen (1).

Zugleich können Medikamente, die psychisch kranken Menschen verordnet werden, den Stoffwechsel verlangsamen. Dadurch werden weniger Kalorien verbrannt. Eine Gewichtszunahme ist somit deutlich wahrscheinlicher.

Das ist besonders bei Langzeitbehandlungen prekär (4).

Auffallend oft stellen Mediziner bei Schizophrenie-Patienten ein metabolisches Syndrom fest. Gibt man solchen Patienten Medikamente gegen Depressionen oder Schizophrenie, nehmen sie wohl fast zwangsläufig zu (4, 5, 6). Das Abnehmen kann bei solchen Patienten durch eine spezifische Medikamentenwahl erfolgen (7).

Beta Blocker

Hoher Blutdruck, Migräne, Glaukome oder bestimmte Herzerkrankungen werden mit Beta Blockern behandelt. Diese können gelegentlich Gewichtszunahmen verursachen.

Der Grund: Beta Blocker verändern und verlangsamen den Stoffwechsel. Die Betroffenen verbrennen bis zu 80 Kalorien weniger am Tag (1).

Vor allem ältere Beta Blocker mit Atenolol und Metropolol sind wohl für die Gewichtszunahme verantwortlich (8). Sie liegt meist bei wenigen Kilogramm und stagniert dann.

Ältere Beta Blocker werden nur verordnet, wenn andere Medikamente nicht funktioniert haben oder eine bestimmte Herzerkrankung vorliegt (8).

Bei neueren Medikamente wird, wie es aussieht, wohl kein Gewichtszuwachs verzeichnet.

Antidepressiva

Viele Antidepressiva können dick machen oder den Abbau von Übergewicht hemmen. Vor allem Medikamente mit Amitriptylin, Imipramin oder Trazodon sind dafür bekannt (10, 11).

Auch hier sind es vornehmlich ältere Medikamente, die das Gewicht ansteigen lassen (1). So können ältere tricyclische Medikamente einen Gewichszuwachs verursachen, während neuere Antidepressiva der SSRI-Klasse (sogenannte Selective Serotonin Reuptake Inhibitors) das normalerweise nicht tun (1). Doch auch diese Medikamente verursachen wohl gelegentlich nach längerer Einnahme Gewichtszunahmen.

Etwa ein Viertel aller depressiven Patienten nimmt 5 Kilo oder mehr an Gewicht zu (9). Die Langzeitverordnung von Antidepressiva ist hier also besonders problematisch. Jedoch ist dabei individuell abzuwägen, ob Übergewicht schlimmer ist als Depressionen. Das korrekte Einstellen auf ein Antidepressivum kann sich als schwierig gestalten.

Nicht immer kann für ein funktionierendes Medikament ein gleich gut verträglicher Ersatz gefunden werden.

Hormonersatzherapien

Hormonersatztherapien sind insofern für Gewichtszuwächse verantwortlich, als sie den Östrogenlevel im Körper anheben.

Östrogen ist als Hormon bekannt, das Fettzellen speichern kann (1, 12). Es wird angenommen, dass Frauen in der Menopause ein Kilo pro Jahr zunehmen.

Neben den verordneten Hormonersatzpräparaten spielen genetische, ernährungsbedingte und andere Faktoren eine Rolle bei der Gewichtszunahme (12, 13). Zum Beispiel erfolgt im Alter ein Muskelabbau, der für eine schlechtere Verstoffwechselung von Kalorien und eine wachsende Fettzellenansiedlung sorgt. Dem Muskelabbau sollte man entgegenwirken, soweit dies aus gesundheitlichen Gründen möglich ist.

Ältere Menschen verbrauchen weniger Kalorien. Sie müssen ihre Ernährung anpassen. Eine Hormonersatztherapie allein für Gewichtszuwächse verantwortlich zu machen, trifft nicht den Kern der Sache.

Kontrazeptiva / Verhütungsmittel

Bei hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille sind Gewichtszuwächse möglich (14).

Hormonelle Kontrazeptiva sind aber wohl nicht automatisch für einen Gewichtszuwachs oder stagnierendes Gewicht verantwortlich. Es kommt darauf an, welche Inhaltsstoffe enthalten sind.

Da das Zusammenspiel von Progesteron und Östrogenen bei einer hormonellen Schwangerschaftsverhütung komplex ist, liegen keine ausreichenden Erkenntnisse zum Thema Gewichtszuwachs vor.

Studien zu Progesteron-Präparaten haben widersprüchliche Ergebnisse ergeben. Die meisten Studien konzentrieren sich auf orale Kombinationspräparate. Daher ist die Datenlage zu anderen hormonellen Kontrazeptiva - beispielsweise Implantaten oder Hormonpflastern - bisher lückenhaft (15).

Es darf angenommen werden, dass auch hier diverse Faktoren für stagnierendes Gewicht oder Gewichtszuwächse sorgen.

Kortikosteroide

Kortisonpräparate sind am ehesten allein für einen Gewichtszuwachs zu machen verantwortlich.

Die Kortison-induzierte Gewichtszunahme ist allerdings nicht der gefürchtetste Effekt einer Langzeitbehandlung. Bei manchen Erkrankungen ist eine Langzeitbehandlung alternativlos, bei anderen nicht (16).

Da Kortison ein Steroidhormon ist, hat es entscheidenden Einfluss auf den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und den Proteinumsatz.

Der Organismus speichert unter Einfluss von Kortison mehr Wasser im Gewebe. Außerdem steigert der Wirkstoff das Hungergefühl (17).

Mediziner haben festgestellt, dass Adipositas-Betroffene mit einer Insulinresistenz gefährdeter sind, bei einer Kortisonbehandlung Gewichtszunahmen zu erleben (17).

Fazit

Es mangelt leider nicht an Medikamenten, die Dich daran hindern können, abzunehmen bzw. Dein Gewicht dann zu halten. Es bliebt die Hoffnung, dass neuere Generationen von Medikamenten diesen unangenehmen Nebeneffekt nicht mehr oder wenigstens nur noch bedingt haben.

Sicherlich muss der Fokus darauf liegen, gesund zu werden, um dann, im Idealfall, die Medikamente absetzen und sich dem Wunschgewicht widmen zu können.

Eine begleitende, vernünftige Form von Low Carb (Low Carb, High Fat) kann hier, in Absprache mit dem Arzt, sinnvoll und hilfreich sein. In bestimmten Fällen kann eine situationsgerechte Ernährung beitragen, die Symptome zu lindern. Ob nun die Ernährung der Grund des Übels oder die Lösung ist, ist wie die Frage danach, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war.

Beachte in diesem Zusammenhang auch meinen Beitrag, welche Krankheiten Übergewicht verursachen können und welche Ursachen für Übergewicht es geben kann.

 

Quellen für diesen Beitrag

(1) http://www.webmd.com/diet/obesity/features/why-arent-you-losing-weight#2
(2) http://www.diabeticlivingonline.com/medication/insulin/does-your-medicine-make-you-gain-weight
(3) http://www.diabetesforecast.org/2012/oct/diabetes-medications-and-their-effect-on-weight.html
(4) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3031940/
(5) 1. Ackerman S, Nolan L.J. Bodyweight-gain induced by psychotropic drugs: incidence, mechanisms, and management. CNS Drugs. 1998;9(2):p135–151.
(6) Allison D.B, Loebel A.D, Lombardo I, Romano S.J, Siu C.O. Understanding the relationship between baseline BMI and subsequent weight change in antipsychotic trials: Effect modification or regression to the mean? Psychiatry Res. 2009;170(3):p172–176. [PubMed]
(7) Centorrino F, Wurtman J.J, Duca K.A, Fellman V.H, Fogarty K.V, Berry J.M, et al. Weight loss in overweight patients maintained on atypical antipsychotic agents. Int J Obes. 2006;30(6):p1011–1016. [PubMed]
(8) http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-pressure/expert-answers/beta-blockers/faq-20058385
(9) http://www.webmd.com/depression/features/antidepressants-weight-gain#1
(10) http://www.healthline.com/health/antidepressants-that-cause-weight-gain
(11) http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/expert-answers/antidepressants-and-weight-gain/faq-20058127
(12) http://www.healthline.com/health/menopause/weight-gain
(13) www.mayoclinic.org/.../menopause-weight-gain/art-20046058
(14) http://www.healthline.com/health/how-to-lose-weight-on-birth-control
(15) http://www.medscape.com/viewarticle/734669
(16) http://www.immunendokrinologie.de/html/cortison_und_polyarthritis.html
(17) http://immunendokrinologie.de/html/gewichtszunahme.html

Bildnachweise: pixabay Mitglied stevepb

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