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Solidarische Landwirtschaft (SOLAWI):
eine Lösung für unsere Ernährungsprobleme?

SOLAWI in Deutschland | ?ohlenhydrate-?abellen.com

Weißt Du auf Anhieb, was SOLAWI, CSA bzw. solidarische Landwirtschaft ist? Hier handelt es sich um ein sehr spannendes Thema, das uns vielleicht helfen kann, frische Lebensmittel zu einem angemessenen Preis zu erhalten und gleichzeitig dem sinnlosen Ausbeuten von Land und Tier entgegen zu wirken.

Beim Blick auf die moderne Landwirtschaft kann man nicht mehr umhin, sie in der Krise zu sehen. Auch der Handel verdichtet sich immer mehr. Preisdumping und Konkurrenzdruck führen zu absurden Verkettungen auf allen Ebenen. Deren Folgen müssen vor allem die Landwirte und die Verbraucher ausbaden (auch wenn man sich natürlich fragen kann, ob es letztlich der Verbraucher ist, der mit seinen Forderungen nach immer billigeren Preisen diese Spirale beginnt, oder die Werbung, oder die Landwirte, oder die Politik,…. eine klassische Huhn oder Ei Frage). Angesichts dessen taucht auf beiden Seiten immer öfter die Frage nach möglichen Lösungen für vermeidbare Problemfelder auf. Die meisten Menschen verstehen, dass sich an der Wurzel des Übels etwas ändern muss, sonst ändert sich nichts. Die nicht mehr ganz neue Idee der Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe könnte einen Lösungsansatz darstellen.

Zum ersten Mal wurde ich letztes Jahr darauf beim Lesen des Buchs ‘The Market Gardener’ von Jean-Martin Fortier aufmerksam. Übrigens ein ganz vorzügliches Buch für alle, die sich beim Anbau auf sich selbst verlassen und angefangen bei der Erde nichts dem Zufall überlassen wollen. Das Buch findest Du in Englisch oder Französisch hier auf Amazon.

Was ist “solidarische Landwirtschaft” (SOLAWI)?

Zunächst musst Du verschiedene Begriffe kennenlernen, hinter denen dasselbe Konzept steht. Die Rede ist von den Begriffen

  • Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe
  • CSA bzw. “Community Supported Agriculture” (zu Deutsch: von der Gemeinschaft unterstützte Landwirtschaft)
  • und solidarische Landwirtschaft bzw. SOLAWI.

Es geht dabei um eine Versorgung mit Lebensmitteln oder idealerweise Bio-Lebensmitteln, die den üblichen Weg über die Supermarktketten meidet. Verbraucher und Erzeuger von Lebensmitteln treten direkt und ohne Zwischenhändler in Kontakt. Erfunden wurde diese Art der Lebensmittelversorgung schon in den Sechzigerjahren von den Japanern. Diese nennen sie “Teikei”. In Japan hat sich diese Direktversorgungsform schon bei einem Viertel der Bevölkerung etabliert. Das SOLAWI-Konzept sieht vor, dass sich ein Landwirtschaftsbetrieb mit verschiedenen Haushalten zu einer Solidargemeinschaft zusammenschließt. Die teilnehmenden Haushalte finanzieren den Hofbetrieb und erhalten im Gegenzug die Ernte. Daraus entstehen viele Vorteile für beide Seiten. Die solidarische Landwirtschaft hat aber auch Nachteile.

Welche Vorteile erbringt solidarische Landwirtschaft?

Als Verbraucher profitierst Du von der solidarischen Landwirtschaft, weil Du

  • den Erzeuger persönlich kennst
  • Einfluss auf dessen Anbau- und Tierzuchtmethoden nehmen kannst
  • auf transparente Anbau- und Zuchtmethoden bauen kannst
  • mehr regionale Produkte kaufst statt von weither importierte
  • einmal pro Woche frische Lebensmittel erhältst, deren Herkunftsort Du kennst
  • günstiger als sonst an Ernteprodukte und Frischfleisch kommst
  • eine emotionale Bindung zu seinen Lebensmitteln und dem herstellenden Betrieb aufbauen kannst, womit Du die Lebensmittel besser wertschätzen wirst (viel zu viel der gekauften Lebensmittel landen auf dem Müll!)
  • den Umbau zum Bio-Betrieb forcieren kannst
  • und der Lebensmittelverschwendung bereits beim Erzeuger entgegenwirkst.

Für den Landwirt hat die SOLAWI ebenfalls Vorteile, weil er

  • eine Abnahmegarantie für seine Produkte hat,
  • die Finanzierung seines Betriebes nicht mehr alleine stemmen muss,
  • durch die Solidargemeinschaft unabhängig von kreditgebenden Banken wird,
  • seine Abnehmer persönlich kennt und sich so diesen in gewisser Weise moralisch mehr verpflichtet fühlt,
  • Planungssicherheit gewinnt,
  • den Marktzwängen entrinnt,
  • keine Selbstausbeutung mehr betreiben muss,
  • nachhaltiger arbeiten kann,
  • und ein gesichertes Einkommen hat.

Bei uns gibt es bislang ungefähr 108 SOLAWI-Höfe (Stand Juli 2016). Das Konzept der Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe scheint perfekt zu den aktuellen Bedürfnissen der deutschen Verbraucher zu passen. Der zunehmende Widerstand gegen die Massentierhaltung, das grausame Kükenschreddern, die zunehmende industrielle “Veredlung” und Verarbeitung von Lebensmitteln sowie der massenhafte Einsatz von Masthilfen, Pestiziden oder Antibiotika in der Fleischproduktion – um nur einige Fixpunkte zu nennen – verlangt nach neuen Lösungen. Und die Bevölkerung scheint zum Glück immer sensibler zu werden, was diese Aspekte anbelangt.

Interessierte Verbraucher sollten sich zusammenschließen und gemeinsam an umliegende Landwirtschaftsbetriebe ihrer Region wenden. Wenn dort Interesse an einer SOLAWI-Gemeinschaft besteht, könnte daraus ein Landwirtschaftsgemeinschaftshof werden. Das Gemüseabo, das einige Haushalte bei uns schon nutzen, verfolgt ein ähnliches – wenn auch nicht so umfassendes – Verteiler-Konzept. Diese Vermarktungsmöglichkeit nutzen bereits wesentlich mehr Höfe. Neben landwirtschaftlich erzeugten Produkten werden in den Bio-Kisten zum Teil auch Nudeln oder andere Fertigprodukte angeliefert.

Welche Nachteile hat SOLAWI?

Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe sind natürlich auf eine ausreichende Zahl an Verbrauchern angewiesen. Diese müssen sich für mindestens ein Wirtschaftsjahr dem SOLAWI-Projekt verpflichten. Das bedeutet, die Endverbraucher stellen das Funktionieren des Hofes sicher. Sie nehmen Einfluss auf Anbauplanung und Tierhaltungsmethoden. Einerseits investieren sie Geld in den Betrieb. Wenn ein neuer Traktor nötig ist, verursacht das Kosten. Diese müssen alle gemeinsam tragen. Andererseits können die Teilnehmer solcher Konzepte auch durch entgeltlose Mitarbeit dazu beitragen, dass die Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe laufen. Die Verbraucher tragen damit aber auch das Ausfallrisiko bei Missernten, dem Auftreten von Schweinepest oder Naturkatastrophen mit. Das könnte zu größerer Fluktuation bei den teilnehmenden Haushalten führen. Steigt ein Haushalt aus, weil ihm sein Engagement zu viel wird, sind die Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe erneut mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. “Community Supported Agriculture” funktioniert am besten, wenn der Hof innerhalb oder nahe einer Gemeinde liegt und die teilnehmenden Haushalte alle in seiner Nähe angesiedelt sind.

Diese Nachteile sollten uns aber nicht abschrecken, uns weiter mit dem Thema zu befassen. Denn es gibt bekanntlich keine Option, die nur mit Vorteilen und ohne Nachteile auskommt. Bei der derzeitigen industriellen Massenproduktion sind die Nachteile mindestens genauso groß.

Wo findest Du SOLAWI-Höfe?

Die Adressen von Landwirtschaftsgemeinschaftshöfen, die mindestens zur Hälfte das Konzept der “Community Supported Agriculture” verfolgen, kannst Du unter diesem Link finden. Dort entdeckst Du unter der Liste der Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe, die bereits solidarische Landwirtschaft betreiben, auch Initiativen, die sich erst gründen möchten. Im Übrigen könnten auch Gartenbaubetriebe sich solidarischer Landwirtschaft verpflichten. Eine ebenso hilfreiche Webseite mit SOLAWI-Höfen findest Du hier.

Fazit

Ich finde, das Thema ist ein extrem spannendes und ich würde mir wünschen, dass dessen komplette Potential ausgeschöpft wird. Hast Du Erfahrung damit? Dann lass es mich und die anderen Leser gerne unten in der Kommentarfunktion wissen.