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So erkennst Du schlechte Ernährungstipps

Vorsicht bei Ernährungstipps | Kohlenhydrate-Tabellen.com

Es mangelt im Internet nicht an Tipps zu einer „guten Ernährung“ (egal ob für gesundheitliche Aspekte, zum Abnehmen, usw.). Eine Suche nach den gängigsten Suchbegriffen wie „gesunde Ernährung“ oder „gesund abnehmen“ resultiert da schnell mal in mehreren Hunderttausend oder gar Millionen von Ergebnissen. Hier daher meine Tipps, worauf Du achten solltest, um nicht Deine Zeit zu verschwenden.

Nicht selten basieren Ernährungstipps auf dem Wunschdenken der Person, die diese Tipps gibt oder dem Wunschdenken der Person, die diese Tipps annimmt – oder beides. Das führt aber nicht selten wenn dann nur zu einem kurzzeitigen „Erfolg“. (Erfolg kann man es eigentlich nicht nennen, weil es oft nur eine Momentaufnahme ist).

Es ist auch wirklich verlockend, wenn jemand mit tollem Körper und einem strahlend weißem Lächeln ankündigt, dass diese und jene Ernährung bei dieser Person ach so tolle Ergebnisse gebracht habe – natürlich nicht nur beim Gewicht, sondern in allen Lebensbereichen.

Dass dahinter oftmals ein starkes Eigeninteresse liegt, wollen wir hier mal außen vor lassen. Was ich nicht außen vor lassen will ist, dass diese Aussagen oft sehr glaubensbasiert sind. Also eher etwas, das man glauben will (weil es sich gut anhört), als dass man dafür statistisch relevante Beweise liefern könnte (z.B. durch entsprechende unabhängige und relevante Studien).

Ich sage nicht, dass die Wissenschaft alle Probleme lösen kann. Aber sie ist, wenn man von sauberen Studien ausgeht, in der Regel aussagekräftiger als das, was man halt einfach gerne glauben will.

Beispiele:

1) Honig und Zimt „regen den Stoffwechsel an“.

Manche Menschen glauben das, und manche Menschen wollen, dass andere Menschen das glauben. Aber keiner weiß es mit Sicherheit.

2) Kreatinmonohydrat macht mich leistungsfähiger.

Kreatinmonohydrat (ich verwende dieses hier <– Partnerlink zu Amazon) hat einen bekannten Wirkmechanismus. Es erhöht die Phosphokreatin-Speicher in den Muskeln. Das kann dann zur Herstellung von mehr „ATP“ (Energie) verwendet werden. ATP ist ein wichtiger Baustein für Kraft, Heben schwerer Gewichte und anaerobe Anstrengungen.

Wir wissen das, weil Wissenschaftler sorgfältig experimentiert und objektiv gemessen haben, was passiert. Diese Erkenntnisse wurden auch immer und immer wieder wiederholt – es ist also kein Zufallsergebnis, auf dem wir hier unsere Meinung stützen.

Hier wird also schon ein wenig klar, dass es Sinn macht, sich auf Fakten anstatt Glauben zu fokussieren.

Wer sich im Internet ein wenig umschaut, wird schnell erkennen, dass es bei vielen Tipps darum geht, irgendetwas entweder zu verteufeln oder sich auf irgendetwas als unabdingbarer Teil der Ernährung zu fokussieren. Denn andernfalls könne man sein Ziel, sich gesund zu ernähren, gleich in die Tonne treten. Diesen Eindruck könnte man beim Lesen so mancher „Guru-Tipps“ zumindest haben.

Hier mal ein paar klassische Beispiele, auf die vermutlich jeder schon mal gestoßen ist, vielleicht sogar mehrmals, und die glaubwürdiger werden, je öfter man sie liest bzw. zu hören bekommt:

  • vollständig auf Getreide verzichten
  • allem Fett abschwören
  • nur Rohkost essen
  • kein Fleisch essen
  • sich auf ein einzelnes Lebensmittel fokussieren (z.B. Grapefruit, Kohlsuppe)
  • nur flüssige Nahrung zu sich nehmen
  • nur „detox“-Säfte trinken
  • die täglich aufgenommene Kalorienmenge unter einer „magischen“ Zahl halten, z.B. 1000
  • nach 18:00 Uhr keine Kohlenhydrate mehr essen
  • alle Kohlenhydrate durch [hier das Lebensmittel Deiner Wahl einsetzen] ersetzen

Es mangelt sicher nicht an Informationen, sondern an der Fähigkeit zu unterscheiden, was Sinn macht und was nicht. Deswegen möchte ich meinen Lesern ein paar hoffentlich wertvolle Tipps mit an die Hand geben, wie sie mit Ernährungsratschlägen im Internet (oder auch offline) umgehen sollten.

1. Habe eine kritische und gleichzeitig offene Haltung.

„Weil es bei mir funktionierte“ ist nicht per se genug, um „es“ einer anderen Person zu empfehlen. Sei neugierig und stelle Fragen.

Erkundige Dich nach Beweisen, die eine bestimmte Aussage unterstützen. Sei Dir bewusst, dass Ernährungswissenschaft nicht unkompliziert ist. Frage nach wissenschaftlichen Referenzen und prüfe diese.

Und experimentiere auf jeden Fall an Dir selbst. Schreibe Deine eigene „Bedienungsanleitung“.

2. Die Wahrheit liegt oftmals in der Mitte.

Die Biologie arbeitet selten in Extremen. Nur in sehr spezifischen Zusammenhängen (z.B. bei der tatsächlich diagnostizierten Zöliakie) haben „immer“ und „nie“ einen Platz.

Sei also misstrauisch, wenn beim Thema Ernährung die Begriffe „immer“ oder „nie“ fallen.

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Versuche stattdessen: „bei einigen Menschen“ und „manchmal“ und „es kommt darauf an“.

Ein Ernährungscoach könnte zum Beispiel darauf bestehen, dass alles „100% natürlich“ sein sollte, sonst sei es schlecht. Aber nur weil etwas auf irgendeine Weise industriell verarbeitet wurde, macht es das nicht immer automatisch auch minderwertig.

Sprich: Nicht selten weisen Menschen aufgrund ihrer einseitigen Ernährung einen Mangel an Nährstoffen auf, also v.a. Vitamine oder Mineralstoffe. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, zeitweise auf Produkte zurückzugreifen, die im Nachhinein und industriell mit gewissen Vitaminen angereichert wurden.

Allerdings: Eine Ernährung voller verarbeiteter, angereicherter Lebensmittel und synthetischer Vitamine… nicht so gut.

Es kommt also auf den Zusammenhang an.

3. Sei vorsichtig, wenn Worte und Konzepte gewisse Emotionen auslösen.

Die meisten auf Glauben bzw. Glaubenssätzen basierten Ernährungsweisen verwenden Marketing, das uns gezielt in Aufregung versetzt – vielleicht indem es in unseren Traumata, Unsicherheiten oder unserem Ego herumwühlt (man denke an den aktuellen „Clean-Eating“-Hype).

Wir müssen erkennen, wenn wir uns von einer bestimmten Idee „angezogen“ fühlen. Wir müssen uns fragen, ob wir dieses „System“ aus den richtigen Gründen in Betracht ziehen. Suchen wir vielleicht nach einer „einfachen“ Lösung, weil wir uns heute traurig / frustriert / verloren / gestresst fühlen?

4. Prüfe Aussagen, die an finanziellen Gewinn gebunden sind.

Zum Beispiel:

„Essen Sie, so viel Sie wollen, und verlieren Sie trotzdem an Gewicht!“
(Eine echte Behauptung wie man sie online finden kann.).

„Sixpack in nur 1 Minute!“
(Eine echte Behauptung wie man sie online finden kann.)

„Den Insulinspiegel kontrollieren, den Blutzucker senken, den Stoffwechsel beschleunigen, das LDL-Cholesterin senken, Bauchfett verbrennen und den Appetit zügeln!“
(Echte Behauptungen des Herstellers eines Zimtzusatzes. Genau…, Zimt).

In dieser Kombination von Glaubenssätzen und Profit ist von Wissenschaft nicht viel zu sehen.

5. Sei skeptisch gegenüber Einheitslösungen.

Der Versuch, z.B. genau den gleichen Makronährstoff-Anteil zu verwenden, um die Bedürfnisse und Ziele jedes Menschen zu erfüllen, ist oftmals eher ein Zeichen dafür, dass ein Ernährungscoach nicht ausreichend weiß und/oder eine emotionale Bindung zum verwendeten Ernährungsplan hat.

Der Mensch ist ein einzigartiges, komplexes System. Wir sollten als solche behandelt werden.

Es gibt nicht die eine beste Ernährung. Jeder Ernährungsplan sollte ein System sein, das auf Fakten beruht und den einzigartigen Lebensstil, die Ziele und Bedürfnisse des Einzelnen wirklich widerspiegelt.

Dir fallen weitere Maßnahmen ein? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar unten im Kommentarfeld.

Titelbild in Anlehnung an Bild von Gerd Altmann auf pixabay.com/de