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Kann die Fähigkeit, riechen zu können, zu Übergewicht führen?

Kann der Geruchssinn dick machen? | Kohlenhydrate-Tabellen.com

Manche Menschen behaupten scherzhaft, sie bräuchten Essen nur anzusehen und würden umgehend zunehmen. Auch wenn es nach Übertreibung klingt, ist wohl etwas dran, wie mehrere Studien nachgewiesen haben. In diesem Beitrag widme ich mich vor allem dem Geruchssinn, und wie er im Labor zumindest bei Mäusen zu Übergewicht führen kann, bzw. wie Mäuse ohne Geruchssinn abnehmen. 

Appetit entsteht aus mehreren sinnlichen Eindrücken: dem Sehen, dem Tasten und dem Riechen von Lebensmitteln.

Manipulieren Wissenschaftler ein Lebensmittel auf diesen sinnlichen Ebenen, verringert oder vermehrt sich der Appetit darauf nicht unwahrscheinlich.

Weiß eingefärbte Lebensmittel verlieren ihren Reiz, obwohl der Reiz über die Nase erhalten bleibt. Gleiches geschieht, wenn der Geruchssinn selbst manipuliert wird - zum Beispiel durch eine Gentherapie.

fehlender Geruchssinn führt zu Gewichtsverlust

Deutsche und amerikanische Wissenschaftler verfütterten eine fetthaltige Diät an Labormäuse. Die erste Probanden-Gruppe hatte einen normalen Geruchssinn. Die zweite hatte keinen Geruchssinn mehr und die dritte Gruppe hatte eine übertriebene Geruchsempfindlichkeit entwickelt (Quelle: siehe Fußnote 1 am Ende dieses Beitrags).

Mäuse mit einem normalen Geruchssinn waren am Ende der Teststrecke doppelt so schwer wie zuvor. Mäuse mit erhöhter nasaler Sensitivität wogen sogar noch mehr. Labormäuse, deren Geruchssinn abgeschaltet worden war, hatten Gewicht verloren. Alle drei Testgruppen hatten dasselbe Futter in identischer Menge erhalten.

Der Schluss aus dieser Studie lautet, dass allein das Riechen von Essen den Stoffwechsel tatsächlich so beeinflusst, dass die vereinnahmten Kalorien nicht gänzlich verbrannt, sondern eingelagert werden. Demnach wäre eine Gewichtsabnahme nicht nur eine Sache reduzierter Kalorienmengen, sondern auch eines Mangels an Geruchsreizen, die den Appetit anregen (1).

Die Wissenschaftler suchen nun einen Weg, wie sie die nasalen Reize, die von Lebensmitteln ausgehen, blockieren können. Ziel ist, Gewichtsverluste durch eine Einflussnahme auf den Geruchssinn zu ermöglichen. Es bleiben allerdings die visuellen Reize als Verlockungen, vor allem, wenn es sich um Dickmacher handelt.

Unser Geruchssinn ist ein Schlüsselfaktor beim Essen (und Zunehmen)

Offensichtlich sind Geruchsreize stärker am Zunehmen beteiligt, als wir bisher wussten (2).

Wenn Labormäuse bei exakt gleicher Ernährung ab- oder zunehmen, je nachdem wie es um Ihren Geruchssinn bestellt ist, ist das interessant. Denn offensichtlich beeinflussen der Geruchssinn und die nasale Wahrnehmung von Essen unseren Metabolismus, also die Verstoffwechselung von Nahrung. Das Geruchssystem deckt sich augenscheinlich mit den Hirnregionen, die unsere Stoffwechselaktivitäten steuern (2).

Menschen, die aufgrund einer Operation, aus Altersgründen oder nach einer verschleppten Grippe den Geruchssinn verlieren, entwickeln anschließend oft eine Magersucht.

Interessant ist auch, dass der Geruchssinn vor dem Essen und bei Hunger wesentlich ausgeprägter ist als nach dem Essen (2).

Übergewichtige Mäuse, denen man den Geruchssinn nahm, nahmen trotz einer fettreichen Diät ab. Die Knochen- oder Muskelmasse wurde vom Gewichtsverlust jedoch nicht betroffen.

Anzumerken ist auf jeden Fall, dass die Manipulation des Geruchssinns beim Menschen Gefahren birgt. Die massive Ausschüttung des Hormons Noradrenalin führt zu einem drastisch erhöhten Herzinfarktrisiko. Daher konzentrieren sich die Forscher auf die Frage, ob sie den Geruchssinn nicht irgendwie anders beeinflussen können (2).

Geruch, Appetitreiz und Gewichtszunahme

Noch verstehen die Forscher die Rolle des Geruchssinns bei der Wahl von Nahrungsmitteln und der Auslösung von Appetitreizen nicht ausreichend.

Klar ist bisher nur, dass Einflüsse per Geruchssinn an der Auswahl und dem Appetit auf Lebensmittel beteiligt sind (3, 4, 6). Unklar ist jedoch, wie die systemischen Zusammenhänge im Körper selbst sind.

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Endocannabinoide als Zellbotschafter einen Teil der Verantwortung an einer Gewichtszunahme tragen (4, 6). Die dem Cannabis ähnlichen Zellboten bedienen sich des Geruchssinns, um dem Körper Hunger zu signalisieren. Zusammen mit neuronalen Rezeptoren und Enzymen bilden die Endocannabinoide gar ein innerkörperliches System.

Die Evolution hat dafür gesorgt, dass wir Hunger und Appetit verspüren. Die gesteigerte Geruchsempfindlichkeit, die damit einhergeht, führt uns dann zu Essbarem (4). Demnach aktiviert Hunger die cannabinoiden Rezeptoren (CB1-Rezeptoren) (6, 7). Diese wiederum aktivieren den Geruchssinn- und das wiederum aktiviert den olfaktorischen Kortex im Gehirn.

Bei wild lebenden Tieren ist der Geruchssinn wesentlich stärker ausgeprägt, weil sie oft weite Strecken zurücklegen müssen, um an Futterquellen zu kommen (4). Da das bei uns nicht mehr der Fall ist, ist der gesteigerte Geruchssinn beim Einsetzen von Hunger für manchen zur Übergewichtsfalle geworden.

Das Hungerhormon Ghrelin scheint den Geruchssinn ebenfalls zu beeinflussen (8).

Fazit

Es ist schwer, hier ein bestimmtes Fazit zu ziehen, da hier sicherlich weitere Studien folgen müssen, um zu verstehen, wie u.a. der Geruchssinn im Endeffekt sogar zu Übergewicht führen kann, bzw. was man dagegen tun könnte.

Dass es natürlich nicht Sinn der Sache sein kann, sich beim Essen die Nase zuzuhalten oder sich gar komplett des Geruchssinns zu berauben, liegt auf der Hand. Dennoch kommt innerlich bei mir die Frage auf, was in so einem Fall zu machen ist, also wenn jemand in der Tat (bewusst oder unterbewusst) unter diesem Aspekt an Übergewicht leiden sollte. Konjunktiv deshalb, weil der Versuch an Mäusen stattgefunden hat, nicht an Menschen.

Mein Anliegen mit diesem Beitrag war ein generelles Bewusstsein für diesen Aspekt zu schaffen. Denn wer sich dieser Tatsachen bewusst ist, könnte diese u.U. auch ausnützen. Ich spreche hier weniger vom Verbraucher, sondern von gewieften Geschäftemachern, die ihre eher weniger schlank machenden Nahrungsmittel so manipulieren, dass sie z.B. den Geruchssinn so ansprechen, dass manch einer ernsthafte Probleme bekommt, sich unter Kontrolle zu halten. Dass der Geruch das Hungergefühl beeinflussen kann, weiß jeder selbst aus eigener Erfahrung.

Auch geht es mir darum aufzuzeigen, dass man sich in manchen Fällen umsonst selber fertig macht, also sich vorwirft, zu schwach oder nicht stark genug zu sein, weil man den Versuchungen nicht widerstehen kann. Auch wenn es sicherlich auch etwas mit dem Willen zu tun hat, so ist hiermit von wissenschaftlicher Seite die Basis für die Annahme gelegt, dass einem bei aller Willenskraft die Natur (z.B. bei einem sehr ausgeprägten Geruchssinn), das fiese Treiben eines Unternehmers, oder beides zusammen einen Strich durch die Rechnung macht.

Quellen:

(1) http://blog.agilent.com/2017/08/24/just-smelling-food-can-make-you-fat
(2) http://news.berkeley.edu/2017/07/05/smelling-your-food-makes-you-fat/
(3) http://www.cell.com/cell-metabolism/fulltext/S1550-4131(17)30357-1
(4) https://www.medicalnewstoday.com/articles/272641.php
(5) https://www.scientificamerican.com/article/experts-how-does-sight-smell-affect-taste/
(6) https://medicalxpress.com/news/2014-02-brain-mechanism-appetite.html
(7) https://www.escoffieronline.com/scent-and-how-it-affects-appetite-and-satisfaction/
(8) https://www.eurekalert.org/pub_releases/2011-04/sfn-hhe041111.php

Bildrechte Artikelbild: pixabay Mitglied WerbeFabrik, CC0 Creative Commons

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