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Nachtkerzenöl – eine Medizinpflanze stellt sich vor

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Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Im folgenden Gastartikel geht Marion Koop auf die Vorteile von Nachtkerzenöl ein und warum bzw. wie es bei verschiedenen Leiden helfen kann.

Vorwort

Schon vor über 500 Jahren wussten einige Indianerstämme in Nordamerika die gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis= zweijährige Nachtkerze) für sich zu nutzen.

Aus den Wurzeln wurde Gemüse zubereitet, aus den Blüten Sirup hergestellt, der gegen Asthma und Keuchhusten half und die Pflanze half auch bei Verdauungsstörungen und Magenschmerzen.

Der Tee aus den Blättern half bei Durchfall.

Später entdeckte man die heilende Wirkung des Öls aus dem Nachtkerzensamen. Die zerstampften Samen heilten Geschwulste.

Danach geriet die Pflanze ist 1749 in Vergessenheit. 1868 tauchte die Pflanze erstmals offiziell in der Liste der Arzneipflanzen Kanadas auf.

Die Nachtkerze kann als Ganzes genutzt werden. Wurzeln, Blätter, Samen und Rinde bieten viele Möglichkeiten für die Gewinnung heilender Wirkstoffe. Hier finden Sie die wichtigsten Heilanwendungen mit Erklärungen.

Die Pflanze

Die Nachtkerze ist zweijährig. Im ersten Jahr bildet sie nur eine Blattrosette, im Folgejahr den Blütenstängel. Der Name kommt vom Griechischen „oinos“, was Wein bedeutet. Die Wurzeln der Pflanzen waren einst Knabberei zum Wein, also das, was heute für uns Kartoffelchips sind.

Die Nachtkerze blüht nachts. Das lag jetzt nahe, oder? Die Blüten halten nur 24 Stunden. Jede Samenkapsel enthält ca. 200 bis zu 2 mm lange Samen. Um 500 mg Nachtkerzenöl zu gewinnen, braucht man ca. 5000 Samenkapseln. Auch ein Grund, warum das Öl nicht ganz billig ist. 500mg ist der Inhalt einer Kapsel, so wie ich sie über POLAROL (www.polarol.de) vertreibe.

Wie wird das Öl gewonnen?

Pflanzenöle kann man auf drei verschiedenen Wegen gewinnen:

  • Mechanische Pressung
  • Extraktion mittels Chemikalien
  • Zentrifugieren

Man meint zunächst, mechanische Pressung hört sich doch ganz natürlich an, aber hier entstehen durch den hohen Druck und die Vorerwärmung des Pressgutes ziemlich hohe Temperaturen. Je höher die Temperatur, desto besser die Ölausbeute. Temperaturen jenseits der 70-Grad Celsius Marke schädigen aber das Öl und deshalb kann man so kein hochwertiges Nachtkerzenöl gewinnen.

Chemikalien sind ein absolutes No-Go, darüber müssen wir nicht weiter nachdenken.

Zentrifugieren ist nicht geeignet. Die Samen sind zu klein. Die Zentrifugen würden zu schnell drehen und die Ausbeute wäre zu gering.

Für die Gewinnung des Nachtkerzenöls hat man ein spezielles Cryo-Press-Kälteverfahren entwickelt. Hierbei wird Kohlensäure (kennen Sie von Mineralwasser, ist total unschädlich) mit sehr hohem Druck in die Samen gepresst und das Öl bei niedriger Temperatur herausgepresst. So bleiben alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Das Öl, welches ich anbiete, wird so gewonnen.

Losem Nachtkerzenöl wird oft Vitamin E als Antioxidans zugesetzt. Öle, die wie das Nachtkerzenöl viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten, oxidieren leicht. Die vielen freien Kohlenstoffe trachten danach, sich schnell mit Sauerstoff zu binden. Unserem Nachtkerzenöl ist kein Zusatzstoff hinzugefügt. Durch die Verkapselung ist das Öl weitestgehend vor Sauerstoff geschützt.

Die Zusammensetzung des Nachtkerzenöls

Das Nachtkerzenöl ist in der Pflanzenwelt ein ganz besonderes Öl. Es hat von allen Pflanzenölen den höchsten Wert an Linolsäure, nämlich 71%. Olivenöl bringt es hier auf schlappe 6%. Noch ein zweiter Inhaltsstoff macht das Nachtkerzenöl besonders. Die Gamma-Linolensäure. Davon hat das Öl 9%. Was diese zwei Fettäuren im Körper bewirken, dazu später mehr. Es gibt noch ein zweites Pflanzenöl, welches auch Linol-und Gamma-Linolensäure enthält, das Hanföl. Es hat jedoch vom ersten nur 57%. Und vom letzteren 2%. Alle anderen Pflanzenöle haben entweder das eine oder das andere, nicht beide und dies ist wichtig, wie wir noch sehen werden.

Was hat es mit den zwei besonderen Fettsäuren auf sich?

Fettsäuren bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Ist die Bindungsfähigkeit der Wasserstoff-und Sauerstoffatome an den Kohlenstoff nicht voll ausgeschöpft, sprechen wir von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Gesättigte Fette haben also ihre Bindungsfähigkeit voll ausgeschöpft. Je fester ein Fett ist, desto gesättigter ist es (Butter, Palmin, Fett am Eisbein). Leider tun uns die gesättigten Fette nicht besonders gut. Nach Lektüre der Wechselwirkungen von Fetten im Körper wird auch klarer, warum das so ist.

In allen Speisefetten kommen in der Regel alle drei Fettsäurearten vor, nur eben in sehr unterschiedlicher Zusammensetzung, also

  • gesättigte
  • einfach ungesättigte
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Hier mal exemplarisch einige Fette mit ihrer Zusammensetzung (die Quelle ist die im Bild erscheinende Webseite):

nachtkerzenöl

Fettzusammensetzung verschiedener Fette

Wie man sehen kann, hat jede Fettart eine spezifische Zusammensetzung. Sonnenblumenöl zum Beispiel bringt es auf etwa 8 % gesättigte und 65% mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Jetzt wird es kompliziert

Wozu braucht der menschliche Körper diese Fettsäuren denn überhaupt? Fett macht doch fett, oder? Nein, ganz und gar nicht. Das richtige Fett in der richtigen Menge hilft sogar beim Abnehmen. Der Körper bildet aus der Linolsäure des Nachtkerzenöls, genauer aus der cis-Linolsäure (cis-Fettsäuren sind Fettsäuren, die in ihrer chemischen Zusammensetzung unverändert wie in der Natur vorkommen) Gamma-Linolensäure. Diese Fettsäure liegt aber auch in natürlicher Form im Nachtkerzenöl vor. Jetzt würde man meinen, wenn der Körper aus Linolsäure Gamma-Linolensäure macht, dann braucht man doch nicht beide Fettsäuren in einem Öl. Dennoch ist das ein Wettbewerbsvorteil des Öls. Es gibt auch Erkrankungen die diesen Prozess stören und den Umbau von Linolsäure in Gamma-Linolensäure stören und unmöglich machen. Da ist es gut, wenn beide Fettsäuren vorhanden sind.

Die Gamma-Linolensäure ist Ausgangsstoff für Prostaglandine, hormonähnliche Stoffe, die an fast allen chemischen Prozessen unserem Körper beteiligt sind. Um diese Prostaglandine zu bilden, benötigt der Körper einen Katalysator, das Enzym Delta-6-Desaturase. Gestört werden kann dieser ganze Prozess durch:

  1. Diabetes mellitus
  2. Rauchen
  3. Übermäßigen Alkoholgenuss
  4. Bewegungsmangel
  5. Verzehr von vielen gehärteten Fetten
  6. Zinkmangel

Es gibt sicher noch mehr Gründe, dies ist nur eine Auswahl. Prostaglandine werden auch Gewebehormone genannt. Sie werden immer da produziert, wo sie gerade benötigt werden. Es gibt mehr als 30 verschiedene und sie werden in drei Gruppen eingeteilt. PG1, PG2 und PG3. Aus unserer Gamma-Linolensäure werden Prostaglandine der Gruppen 1 und 2.

Hier kommt wieder der Vorteil des Nachtkerzenöls mit seiner spezifischen Zusammensetzung ins Spiel. Der Körper kann einen Teil der Gamma-Linolensäure direkt aufnehmen, den anderen muss er selbst umwandeln aus Linolensäure. Liegt also eine Erkrankung vor, hat er Körper immer noch die Chance, direkt an Gamma-Linolensäure zu kommen. Und das ist wichtig.

Unsere Gamma-Linolensäure ist jetzt noch kein Prostaglandin. Erst wandelt sie sich zu Dihomo-Gamma-Linolensäure. Erst dann werden Prostaglandine gebildet. Dazu braucht es auch noch Vitamin B6, Vitamin C, Niazin sowie Zink. Erst dann gibt es Prostaglandine. Ein sehr wichtiges ist Prostaglandin E1.

Also: das Öl alleine ist nicht der Heilsbringer. Erst das Zusammenspiel mit den übrigen wichtigen Stoffen lässt den Körper optimal funktionieren. Vitamin B6 ist u.a. in Brokkoli, Tomaten, Porree, Sardinen, Lachs, Linsen, Naturreis, Kalbsleber und Geflügel. Vitamin C ist in schwarzer Johannisbeere, in Hagebutten, Sanddorn, Erdbeeren, Kiwis, Spinat etc.

Niazinreiche Lebensmittel sind Innereien, Sardinen, Garnelen, Erbsen, Aprikosen etc.

Zink ist in Getreide (bitte meiden Sie aber Weizen, so gut es geht), Sonnenblumenkernen, Erbsen und Linsen.

Sie haben nun gesehen, dass hier eine Menge gesunder Lebensmittel aufgeführt sind. Haben Sie etwas von Currywurst, Ketchup, Mayonnaise, Windbeuteln, Pizza gelesen? Nein, weil diese Lebensmittel für das Funktionieren unseres Körpers kontraproduktiv, sprich schlichtweg ungesund sind.

Prostaglandine der Gruppe 2 werden ebenfalls aus Dihomo-Gamma-Linolensäure gebildet. Allerdings macht der Körper auch hier einen Umweg über die Arachidonsäure. Arachidonsäure wird in allen tierischen Lebewesen (auch wir sind Tiere) gebildet und sorgt für geschmeidige Zellen. Ist im Körper ein Entzündungsherd vorhanden, baut der Körper diese Arachidonsäure in Prostaglandine der Gruppe 2 um. Diese Prostaglandine bewirken im Körper Fieber und Schmerzen. Der Körper gibt Warnsignale, lege Dich hin, ich brauche all meine Energie zur Krankheitsabwehr und zur Reparatur. Fieber tötet die Erreger, die sehr temperaturempfindlich sind. Leider fühlen auch wir uns damit schlapp.

Wir verwenden Azetylsalizylsäure (ASS), Markenname Aspirin, um Fieber und Schmerzen zu bekämpfen. Ein Stoff aus der Weidenrinde (also auch wieder der Natur) im Übrigen. Haben Sie sich schon mal gefragt, woher das ASS weiß, wo es Ihnen weh tut? Ich habe mich das als Kind oft gefragt. Heute kenne ich die Lösung dieses Rätsels. Die ASS unterbindet im Körper die Umwandlung von Arachidonsäure in Prostaglandine der Gruppe 2. Daher wirkt sie schmerz-und fiebersenkend.

Zuviel Fleisch führt dem Körper also eine Extraportion Arachidonsäure zu. Dass dies nicht gut sein kann, wird jetzt klarer. Entzündungen werden gefördert, unter anderem auch Rheuma. Daher rät man Rheumatikern zu einer fleischlosen Kost. Das muss einem aber auch erst einmal jemand erklären.

Wie hilft unser Nachtkerzenöl denn nun konkret?

  • Es lindert Entzugserscheinungen bei ehemals Alkoholabhängigen: man zittert weniger und der Entzug geht leichter
  • 1-2 TL Nachtkerzen Öl vor einer Party mit viel Alkohol verhindert meist den Kater am nächsten Morgen
  • Nachtkerzenöl wirkt sich positiv auf Asthma, Rheuma und Allergien aus. Einen Grund habe ich oben bereits genannt. Einige Allergien werden durch einen Mangel an Gamma-Linolensäure ausgelöst. Übrigens ist in der Muttermilch Gamma- Linolensäure enthalten, in Kuhmilch nicht. Dass diese Säure wichtig ist, habe ich oben aufgezeigt.
  • Nachtkerzenöl senkt den Blutdruck, weil es durch Prostaglandin E1 das Zusammenkleben der Blutplättchen verhindert, was den Blutdruck senkt.
  • Nachtkerzenöl senkt den Cholesterinspiegel, am besten in Zusammenarbeit mit Artischockensaft (1 TL Artischocken Saft, 5-10 Tropfen Nachtkerzenöl und das Ganze in ein Glas Tomatensaft. Fertig ist ein wunderbarer Cholesterinsenkercocktail)
  • Beugt Herzinfarkt vor
  • Lindert Hyperaktivität bei Kindern
  • Hilft bei Krebs. Krebszellen haben die Fähigkeit verloren Linolsäure in Gamma-Linolensäure zu verwandeln. Dass dies wichtig ist, habe ich oben ausgeführt
  • Hilft bei Hautschäden
  • lindert Schuppenflechte
  • hilft beim Abnehmen
  • lindert Wechseljahresbeschwerden
  • hilft beim prämenstruellen Syndrom
  • lindert Magenbeschwerden

Wie Sie sehen, ist das Öl der Nachtkerze ein wirkliches Wundermittel.

Wenn Sie erst die Vorzüge kennengelernt haben, werden Sie darauf kaum mehr verzichten wollen.

Wenn Sie Fragen haben oder selbst Anregungen geben können, so freue ich mich auf Ihre Mail unter

M.Kopp@vital-trade.de

Ich hoffe, Sie konnten einiges aus diesem Artikel herausziehen. Ich werde mich bemühen, auch weiterhin zu interessanten Themen Artikel anzubieten.

Dieser Artikel ist auch als kleines e-Book kostenlos erhältlich. Dafür kontaktieren Sie mich bitte direkt per E-Mail.

Marion Kopp Vital Trade-kohlenhydrate tabelle

Marion Kopp
Vital-trade-partners, Köln
www.vital-trade.de

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Bilderrechte
Quelle: flickr; Foto ‚Enagra comune (Oenothera biennis)‘ von sun sand & sea Lizenz: Creative Commons by 2.0 de / Kurz