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Essen wie im „Dschungelcamp“:
eklig, oder doch eigentlich ’normal‘?

Dschungelcamp essen Prüfung

Das RTL Dschungelcamp bzw. genauer genommen die jährliche Show „Holt mich hier raus – ich bin ein Star“ erfreut (oder nervt) gerade wieder die Bevölkerung. Gerade aber die als eklig empfundenen Essensprüfungen im Dschungelcamp finde ich aus Ernährungssicht durchaus interessant.

Die Essprüfungen im Dschungelcamp:
archaisch, oder einfach nur eklig? 

Keine Frage:

Niemand aus unserem Kulturkreis dürfte sich großartig begeistern, wenn er die typischen kulinarischen Highlights aus dem Dschungelcamp vorgesetzt bekäme. Da gibt es ja so ‚leckere‘ Sachen wie

  • alle Sorten von kreuchenden und fleuchenden (Dschungel-) Insekten, roh und meist lebendig natürlich
  • die Hoden verschiedener Tiere
  • den Penis verschiedenster Tiere
  • den Anus verschiedenster Tiere
  • und und und

Dem Ekelfaktor sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt. Und während die Dschungelcamp Kandidaten mit dem Würgereiz kämpfen, reibt sich das halbe Volk vor dem Fernseher schadenfroh die Hände. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, dass ich das Dschungelcamp mit seinen (Möchtegern-) Stars zum letzten Mal gesehen habe. Aber auch ich habe mich damals immer auf die Prüfungen gefreut, an denen jemand eine Essprüfung absolvieren musste. Lachen bis zum Abwinken ist da normalerweise vorprogrammiert. Und Lachen kann man doch nie genug, oder? :)

Aber es wirft, bei mir zumindest, doch eine Frage auf:

Wie eklig sollte es in der Tat sein, diese Art von Lebensmitteln zu essen? 

Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und sagen, ich sei scharf darauf, die oben genannten Dinge zu essen. Für einen Befürworter der Paleo– bzw. Altsteinzeit-Ernährung, über die ich auf meiner Webseite auch schon geschrieben habe, dürfte es so abartig aber eigentlich nicht sein.


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OK, es muss ja nicht unbedingt Penis und Anus sein. Aber seien wir mal ehrlich: Es mangelt nicht an Leuten, die z.B. Hühnerbürzel essen, oder Rinderzunge. Ganz zu schweigen von anderen Teilen verschiedenster Tiere, die auch dem eingefleischtesten Fleischesser irgendwie… eklig vorkommen. Die australischen Aborigines essen Würmer, von den Chinesen ist es auch bekannt, dass sie alles mögliche Essen (vor allem wenn es die Potenz stärken soll). Dazu habe ich von meiner Teilnahme am Great Wall Marathon in China in 2012 ein Foto, das ich damals in Pekings Innenstadt geschossen habe – siehe das Artikelfoto oben. Dort ist wirklich auch einiges dabei, was man sich in unseren Kreisen so gar nicht vorstellen kann:

  • Würmer
  • Maden
  • Seesterne
  • Seepferdchen
  • Skorpione
  • Leguane (oder so was ähnliches)

OK, lassen wir mal den Ekelfaktor aussen vor.

Dann kann man vermutlich davon ausgehen, dass im Dschungelcamp das Fleisch dieser Dschungel-Lebewesen, von denen diese Körperteile entnommen wurden, von vergleichsweise hoher Qualität ist. Es ist ja anzunehmen, dass diese Lebewesen ein normales Leben führen konnten, also nicht in einer Farm in Massentierhaltung schnell groß gezogen und mit Medikamenten vollgepumpt wurden.

Das Thema Massentierhaltung und Ernährung ist ja heutzutage eine große Diskussion geworden, und das zu Recht. Leider hat die Qualität unserer Lebensmittel heutzutage oftmals ja nur noch wenig mit der zu tun, die in früheren Jahren vorherrschte oder heute noch in indigenen Landstrichen zu finden ist.

Das ’nächste große Ding‘ (next big thing) in der Ernährungsbranche könnten Heuschrecken-Farmen sein. Man stelle sich vor: die Vereinten Nationen haben 2013 ein komplettes Buch heraus gebracht, das sich mit essbaren Insekten als Lösung für die wachsenden Herausforderungen der Nahrungsmittel-Sicherung einer stetig steigenden Weltbevölkerung beschäftigt.

Heuschrecken… das kann sich doch bei uns auch keiner so recht vorstellen, oder? In den USA hingegen werden schon die ersten Proteinriegel aus… genau, Heuschrecken, hergestellt. Also ich könnte mir zumindest vorstellen, das mal zu probieren.

Natürlich wird es auch hier so laufen, wie mit allen anderen Betrieben der Massentierhaltung: Irgendwann gibt es die ersten Skandale und die Norm ist die, dass diese Heuschrecken mit industriellen Futtermitteln und Medikamenten vollgestopft werden und nicht in ihrem eigentlichen Umfeld leben. Nutzen: fraglich.

Lange Rede, kurzer Sinn:

So eklig die ganzen Dschungelcamp Essprüfungen auch sind, oder zumindest erscheinen, komplett abwegig ist es nicht – zumindest in punkto Qualität bzw. Beschaffenheit. Ich könnte mir vorstellen, dass so mancher Wurm, den die Dschungelcamp Kandidaten da verdrücken müssen, nahrhafter und von besserer Qualität ist, als viele unserer täglichen Lebensmittel.

Irgendwie traurig, irgendwie aber wahr.