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Ein (bahnbrechendes?) Gedankenexperiment zur richtigen Ernährung

Gedankenexperiment Ernährung | www.kohlenhydrate-tabellen.com

Nur eines scheint gewiss beim Thema Ernährung: nichts ist gewiss. Was wir heute zu wissen glauben, wird morgen oftmals als falsch oder überholt angesehen – teils zu Recht, teils zu Unrecht. Es stellt sich mir also die Frage: Was wissen wir wirklich über Ernährung und welchen Effekt sie auf uns hat? In diesem Artikel lade ich alle Leser ein, ein kleines Gedankenexperiment zu betreiben. Vielleicht, wer weiß, stoßen wir dabei ja auf etwas ganz Neues, Bahnbrechendes :) 

Analoges Denken der Grund allen Übels?

Es gibt tausende Tipps & Tricks zum Abnehmen (gemeinhin auch als ‚Diäten‘) bekannt. Ausserdem mangelt es auch nicht an Studien zu diesem Thema bzw. dazu, welche Ernährung für uns Menschen die beste ist. Und neben den offiziellen Studien gibt es noch millionen verschiedene Meinungen dazu, was am besten für uns ist:

  • ohne Kohlenhydrate
  • Low Carb
  • wenig Kohlenhydrate, viel Fett
  • viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate
  • viele Kohlenhydrate, wenig Fett
  • vegetarisch
  • vegan
  • Rohkost

Im Internet mangelt es sicherlich nicht an Meinungen zum Thema „gesunder Ernährung“. Gesunde Ernährung? Ich würde das definieren als eine Ernährung, die uns sowohl beim Abnehmen bzw. schlank bleiben hilft, und gleichzeitig auch langfristig dafür sorgt, dass der Körper die besten Voraussetzungen hat, keine Krankheiten zu entwickeln bzw. Krankheiten im maximalen Maß auch selber bekämpfen zu können.

Sicherlich ist das Internet auch mit dafür verantwortlich, dass zum Thema Ernährung mittlerweile mehr Verwirrung herrscht als Klarheit. Denn jeder kann seine Meinung hinaus posaunen. An sich kein Problem. Aber:

  1. Diese Meinungen sind oftmals dergestalt, dass sie letztlich nur darauf abzielen, ein bestimmtes Produkt zu verkaufen.
  2. Oftmals basieren Meinungen/Diäten/Schlussfolgerungen auf analogem Denken statt auf den wahren Fakten.

Was es mit dem analogen Denken auf sich hat, möchte ich kurz erläutern:

Analoges Denken heißt in diesem Zusammenhang, dass Ernährungsratschläge in der Mehrzahl wohl auf dem basiert, was andere vorher schon so oder so ähnlich von sich gegeben haben (das ist zumindest mein Bauchgefühl nach dem Studium verschiedenster Webseiten und Ernährungsweisen). Das ist auf der einen Seite eine Vorgehensweise, die das Risiko minimiert, denn sie basiert auf dem, was vorher schon bei anderen Leuten funktioniert hat. Es ist aber nicht innovativ, geschweige denn Bahn brechend. Zwar kann es bis zu einem gewissen Grad eine Hilfe, aber dann letztlich auch nur eine suboptimale Lösung sein.

Ein Beispiel für analoges Denken

Im Bereich Ernährung könnte man, wenn es ums Abnehmen geht, folgendes Beispiel für analoges Denken vor bringen:

Low Carb Ernährung (also mit wenig Kohlenhydraten) hat vielen Menschen beim Abnehmen geholfen. Also scheint Low Carb eine gute Lösung. Demnach werde ich auch Low Carb als die Lösung schlecht hin propagieren bzw. in meine Ratschläge einfließen lassen.

Das Problem mit dem analogen Denken könnte also sein, dass es zwar hilft Symptome zu bekämpfen, aber nicht unbedingt die Wurzel des Problems anpackt. Ein Beispiel dafür ist ja der nur zu gut bekannte Jojo-Effekt: Zwar kann man Übergewicht z.B. mit einer Kohlsuppendiät entgegen wirken, aber langfristig wird es das Problem des Übergewichts nicht lösen.

Wir kennen dieses Problem auch aus anderen Lebensbereichen zu Genüge, z.B. bei der Bekämpfung gewisser Krankheiten durch Medizin. Zwar bekämpft die jeweilige Medizin dann oftmals die akuten Symptome, dringt jedoch nicht zum Kern des Problems vor. Ergebnis: Das Problem an sich ist nicht dauerhaft gelöst und kommt immer wieder.

‚first principles‘ – Denken:
Was bei Autos hilft, könnte beim Menschen auch helfen

Neulich bin ich also in einem komplett anderen Bereich auf das ‚first principles‘ – Denken gestoßen.

Genauer gesagt ging es um den Erfinder, Geschäftsmann und Tausendsassa Elon Musk. Vielleicht kennst Du ihn nicht beim Namen, hast aber vermutlich in den letzten 1-2 Jahren schon mal von ihm gelesen. Er ist der (Mit-) Gründer von Unternehmen wie Paypal, Tesla Motors oder SpaceX (und vielleicht kommt auch noch der Hyperloop hinzu). Alle seine Unternehmen sind Bahn brechend bzw. werden auf ihre Weise Bahn brechend sein.

Elon Musk geht bei seinen Unternehmungen nach eigener Aussage nach dem first principles – Muster vor (ein Video Interview in Englisch gibt es hier auf Youtube).

Das heißt, dass er nicht das betrachtet, was andere schon gemacht haben. Vielmehr versucht er das zu lösende Problem anders anzugehen. Was er herausfinden will, sind die unumstößlichen Wahrheiten, die ganz am Anfang der Gedanken- bzw. Fakten-Kette stehen. Letztlich baut er auf diesen Fakten auf und leitet davon dann entsprechend weiter ab.

Auch wenn er sagt, dass diese Vorgehensweis viel mehr Hirnschmalz (= nicht Intelligenz sondern Energie zum Nachdenken) verlangt, so seien die Ergebnisse doch denen der analogen Denkweise deutlich überlegen.

Macht Sinn.

Ein Beispiel für first principles – Denken

Im speziellen Fall von Elon Musks Tesla Motors geht es um seine Elektroautos bei Tesla Motors. Ein zentraler Bestandteil für den Markterfolg von Elektroautos sind die derzeitigen Kosten für Batterien. Würde er nach dem analogen Denkmuster vorgehen, würde er sagen:

Batterien für Elektroautos sind teuer. Die Kosten pro Kilowatt-Stunde belaufen sich auf $600, und das ist nun einmal so. Es wird sich diesbezüglich in der Zukunft nichts ändern. Daher müssen wir an anderer Stelle nach Einsparungspotential suchen.

Stattdessen aber zerlegt er die Batterie buchstäblich in seine Einzelteile und analysiert die Kosten für jedes dieser Teile.

Während dies noch ein vergleichsweise einfaches Gedankenexperiment ist, kann man das noch weiter treiben:

Angenommen, man will ein Auto bauen, das mit 1 Liter 100 km weit fahren kann. Das schon eine gewisse technische Herausforderung. Sehr wahrscheinlich wird man sich aber zur Lösung des Problems an den bekannten Wegen orientieren (= analoges Denken). Wenn man sich aber das Ziel setzt, mit 1 Liter 1000 km zu fahren, dann muss man andere Wege gehen, also Wege die frei sind von Konventionen. Man beginnt notgedrungen, das Problem von anderen Seiten zu betrachten. Idealerweise geht man dann einen oder mehrere Schritte zurück und kommt so, mit viel Hirnschmalz, auf fundamentale Wahrheiten, basierend auf denen man dann einen Bahn brechenden Ansatz findet.

Dass dies funktioniert zeigt Elon Musk mit seinen Unternehmungen immer wieder aufs Neue.

first principles Denken beim Thema gesunder Ernährung: (un)möglich?

OK, jetzt habe ich Dich gedanklich bestimmt ziemlich beansprucht mit dem ganzen Thema, und dann kamen auch noch Batterien und (Elektro-) Autos dazu… und das auf einer Webseite, die sich doch mit dem Thema Ernährung beschäftigt… :)

Aber es war notwendig, um Dir meine Gedanken diesbezüglich dar zu legen. Das wiederum war nötig, weil ich hier nämlich ein Gedankenexperiment mit Dir und den anderen Lesern starten möchte. Denn mein Gefühl sagt mir, dass wir auch das Thema Ernährung mehr mit dem first principles – Denken anpacken sollten.

Meine Frage an mich selber und an alle Leser da draussen lautet:

Könnte diese first principles Denkweise auch neue, Bahn brechende Ergebnisse liefern, wenn es um das Thema der gesunden Ernährung geht? Oder wissen wir doch schon alles, was wir wissen müssen?

Wie oben schon beschrieben definiere ich gesunde Ernährung für mich als

Ernährung, die uns sowohl beim Abnehmen bzw. schlank bleiben hilft, und gleichzeitig auch langfristig dafür sorgt, dass der Körper die besten Voraussetzungen hat, keine Krankheiten zu entwickeln bzw. Krankheiten im maximalen Maß auch selber bekämpfen zu können.

 

Ich habe zu diesem Gedankenexperiment auch 3 angesehene Ernährungsexperten eingeladen, Ihre Gedanken zu teilen. Hier sind ihre Antworten bzw. Gedanken. Am Ende eines jeden Beitrags findest Du, mehr Infos zum jeweiligen Experten.

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Dr. Sabine Paul

Herzlichen Dank an David Altmann, für dieses anregende Experiment!

Aber wie kommt man aus analogem Denken heraus? Ganz schön kniffelig… Ich werde es in drei Schritten versuchen.

Schritt 1: „Gesunde Ernährung“-Thesen auf den Kopf gestellt

Aus meiner Sicht werden die folgenden Annahmen in Empfehlungen zu gesunder Ernährung getroffen. Ich formuliere die Thesen bewusst überspitzt und dazu eine oder mehrere Gegenthesen – als Kristallisationspunkt für nicht analoges Denken:

  • These 1: Eine ganz bestimmte Ernährungsform ist die Richtige.
  • Gegenthesen: Es gibt viele richtige, es gibt keine richtige oder es gibt einen Mix aus richtigen Ernährungsformen.
  • These 2: Die eine richtige Ernährungsform gilt für alle Menschen.
  • Gegenthese: Jeder Mensch isst/braucht etwas anderes.
  • These 3: Die meisten Ernährungsformen widersprechen sich.
  • Gegenthese: Es gibt einen gemeinsamen Nenner gesunder Ernährungsformen.
  • These 4: Die eine richtige Ernährungsform gilt ein Leben lang.
  • Gegenthese: In verschiedenen Lebensphasen werden unterschiedliche Zutaten und Mengenverhältnisse benötigt.
  • These 5: Die eine richtige Ernährungsform gilt überall.
  • Gegenthese: In verschiedenen geographischen/klimatischen Regionen werden andere Nahrungsquellen benötigt.
  • These 6: Wir wissen nicht, was für uns gut ist, Experten müssen uns sagen, was gesunde Ernährung ist.
  • Gegenthese: Wir wissen genau, was uns gut tut.
  • These 7: Was gesund ist, schmeckt nicht oder bedeutet Verzicht.
  • Gegenthese: Nur was mir schmeckt, ist gesund – und darauf brauche ich nicht verzichten.

Schritt 2: Eine neue Sicht auf „gesunde Ernährung“

Aus den Gegenthesen lässt sich nun ein erstes nicht analoges Raster formulieren:

„Es gibt nicht nur eine gesunde Ernährungsform, aber alle gesunden Ernährungsformen haben einen gemeinsamen Nenner. Jeder Mensch isst und braucht etwas anderes. In den einzelnen Lebensphasen werden unterschiedliche Zutaten und Mengenverhältnisse benötigt. In verschiedenen geographischen oder klimatischen Regionen sind andere Nahrungsquellen und Zusammensetzungen erforderlich. Wir wissen genau, was uns gut tut. Nur was mir schmeckt, ist gesund – und darauf brauche ich nicht verzichten.“

Schritt 3: Der biologische Feinschliff

Die formulierte neue Sicht ist der Rohbau. Nun stehen der Ausbau und Feinschliff an – bei mir aus biologischer Sicht. Sie orientiert sich an den Voraussetzungen für gesunde Ernährung, wie sie von David Altmann formuliert wurden: Eine gesunde Ernährung hilft beim Abnehmen, hält dauerhaft schlank, schützt vor oder verzögert die Entstehung von Krankheiten bzw. stärkt die Selbstheilungskraft.

Gehen wir einmal grundsätzlich davon aus, dass Menschen „Allesesser“ sind und alles Essbare mehr oder weniger gesund ist. Worauf ist dann zu achten?

  • Die Nahrungsquellen und ihre Zusammensetzung müssen zum menschlichen Stoffwechsel passen. Beispiel: Wir können kein Gras verdauen wie eine Kuh – also gehört Gras nicht zum menschlichen Speiseplan gesunder Ernährung.
  • Nahrungsquellen und Zusammensetzungen müssen zum Individuum passen: Aufgrund unterschiedlicher Gene ist auch der Stoffwechsel individuell verschieden. Allergien und individuelle Unverträglichkeiten sind zusätzlich zu beachten, wenn es um individuell passende Ernährung geht.
  • Nahrungsquellen dürfen nicht schaden: Farbstoffe, die Krebs auslösen, oder andere Stoffe, die den Stoffwechsel aus dem normalen Ablauf bringen, gehören nicht zur Kategorie der gesunden Nahrungsmittel(bestandteile). Damit entfällt ein Großteil der industriell hergestellten Nahrung.
  • Das Geschmacksempfinden ist nicht beständig, sondern abhängig vom Angebot. Wer seine Salz- oder Zuckeraufnahme reduziert hat, oder gefastet hat, weiß, dass sich das Geschmacksempfinden an die Speisen und Getränke der letzten Tage bis drei Wochen anpasst. Zusätzlich ist Geschmack manipulierbar: Mit Geschmacksverstärkern und Aromen lassen sich Geschmackseindrücke erwecken, die mit dem tatsächlichen Gehalt des Nahrungsmittels nichts zu tun haben.
  • Gesunde Ernährung allein genügt nicht, um den Körper dauerhaft schlank zu halten und vor Krankheiten zu schützen. Menschen benötigen eine insgesamt gesunde Lebensweise, die auch genügend Bewegung, Tageslicht, Regeneration, Schlaf und geistigen Ansporn beinhalten.
  • Ernährung spielt sich immer in einer sozialen Gruppe ab. Gesunde Ernährung gelingt am ehesten, wenn das soziale Umfeld ähnlich handelt.

Die „menschliche Natur“-Ernährung – Ausgangspunkt für die weitere Diskussion

Aus den drei vorherigen Schritten lässt sich nun ein „Manifest der gesunden Ernährung“ aus biologischer Sicht destillieren:

„Es gibt viele gesunde Ernährungsformen und alle gesunden Ernährungsformen haben einen gemeinsamen Nenner. Grundsätzlich ist alles Essbare gesund, sofern es natürlichen Ursprungs ist und zum Stoffwechsel der Menschen passt.

Gesunde Ernährung ist immer individuell, denn jeder Mensch isst und benötigt etwas anderes – daher gibt es keine pauschale Empfehlung. Die optimale Ernährung ist zusätzlich der jeweiligen Lebensphase, und geographisch-klimatischen Region angepasst. Essen wir Nahrungsmittel natürlichen Ursprungs (keine industrielle Nahrung), dann wissen wir intuitiv genau, was uns gut tut und brauchen keine weiteren Experten oder Programme.
Gesunde Ernährung ist ein Puzzleteil einer gesunden Lebensweise, in der Bewegung, Tageslicht, Regeneration, Schlaf und geistiger Ansporn weitere wichtige Elemente darstellen. Die Umsetzung einer gesunden Ernährung gelingt nur, wenn die soziale Gruppe, der wir zugehören, ähnliche Ernährungsmuster pflegt.“

Möglicherweise sind deshalb Diäten oder Programme beliebt, die über Blutgruppen oder Blutanalysen individuelle Aussagen versprechen oder in Gruppenprogrammen Gleichgesinnte zusammenführen….

Letztlich geht es aus meiner Sicht darum, dass wir innerhalb einer Ernährung, die zur menschlichen Natur passt, unser individuelles Ernährungsoptimum finden.

Auf die Frage einer Teilnehmerin in einer meiner letzten Lesungen, ob ich eine bestimmte Ernährungsform x oder doch Ernährungsform y besser finde, war meine Antwort: „Letztlich soll jeder essen, was ihn oder sie glücklich macht.“ Vielleicht kommen wir bei der Definition einer gesunden Ernährung noch weitere spannende Impulse, wenn wir nicht nur über die Zusammensetzung nachdenken, sondern auch darüber, welches Essen uns langfristig glücklich macht.

 

Sabine Paul_Palaeo PowerDr. Sabine Paul ist Molekular- und Evolutionsbiologin. Sie hat sich als Sachbuchautorin, Referentin und Trainerin auf das Thema natürliche Ernährung,?Gesundheit und geistige Fitness spezialisiert. 2009 hat sie das PaläoPower-Institut für evolutionäre Strategien in Frankfurt gegründet. In ihren?Vorträgen, Webinaren und Workshops stellt sie mit praktischen Tipps und überraschenden Infos alle Sinne auf vollen Empfang – und auch mal die eine oder?andere Denkweise auf den Kopf. Sie lebt und arbeitet nach dem Motto: „Wecke und genieße, was von Natur aus in dir steckt“. 

www.palaeo-power.de

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Heiko Weirauch

Eine andere Denkweise über Ernährung zu verfolgen, ist der (sprichwörtliche) Grundgedanke meines Buches „Ernährung. das große Experiment. Die Diät von Aasfressern und Eierdieben.

Die populäre Herangehensweise richtet ihre Konzentration auf den Energieumsatz und das Kalorienzählen; Vitamine und Mineralstoffe im Essen oder den Anteil an Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten eines Nahrungsmittels.

Ich beschäftigte mich viele Jahre lang genau mit diesen Ansätzen und stellte fest, dass meine Kunden nicht aus diesen Grundkonzepten profitieren konnten, wenn es um Leistungsteigerung und Gesundheit mit Hilfe der Ernährung ging.

Durch verschiedene Selbstexperimente änderte sich meine Sichtweise. Ich sah nicht mehr die Nahrung im Vordergrund, sondern den Menschen. Bei der Betrachtung unserer Evolutionsgeschichte wird deutlich, dass die Nahrung die Konstante in der menschlichen Entwicklung war und nicht der Mensch an sich. Unsere Nahrungsquellen waren seit den 2 Millionen Entwicklungsjahren zum heutigen Menschen beständig. Es waren Obst, Gemüse, Nüsse, Eier, Fleisch und Fisch. Nicht die Nahrungsquellen sondern der Mensch hat sich angepasst. So sollte man nicht sehen, welche neuen Quellen man für den Menschen erschließt oder wie ein „High tech Lebensmittel“ beschaffen sein muss, sondern wie die optimalen Ressourcen beschaffen sind und in welcher Art und Weise der Mensch sie sich bewahren kann.

Wir als Menschen haben selten und wenig Nahrung erhalten, weil wir sie uns beschaffen mussten und Nahrung in der Natur nicht im Überfluss zur Verfügung steht, wie in der zivilisierten Welt. Also sollten wir wenig und selten essen und genau das, was die Natur für uns bereitgestellt hat: Obst, Gemüse, Nüsse, Eier, Fleisch und Fisch und nicht Riesenportionen aus verschiedensten Kombinationen wie Kartoffeln, Soße und Fleisch. Zudem gibt es in der Natur nicht die Kombination von Kohlenhydraten und Fetten – den Hamburger oder die Gehacktesschnitte. Das wäre das tote Wildschwein im Erdbeerfeld mit Sahne. Nein, in der Natur mussten wir uns überlegen: „Hetze ich jetzt eine Gazelle über 80-100km zu Tode, oder sammle ich Beeren an den Sträuchern?“. Beides war schlecht möglich.

Diese Quellen sollten wir uns wieder erschließen und die natürlichen Ressourcen dafür zu würdigen wissen und dem entsprechend behandeln. Denn dies ist für uns optimal, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Genau das schützt uns auch vor den sogenannten Zivilisationskrankheiten und nicht die populären Weisheiten. Dazu möchte ich euch ein paar Gedanken zum „Selbstexperimentieren mitgeben“:

Zum Beispiel sollen (gesunde) Menschen 5 kleine Mahlzeiten am Tag essen, damit unsere Blutzucker stabil bleibt. Jemand, dessen Blutzuckerspiegel aber krankhaft gestört ist (Diabetiker) dürfen nur 2-3 mal am Tag essen. WARUM?

Milch ist gut für unsere Knochen, durch das Calcium in der Milch. In den Ländern, in denen die meisten Milchprodukte konsumiert werden ist das Osteoporose-Aufkommen am höchsten. WARUM?

Getreideprodukte sind die Basis für eine ausgewogene und gesunde Ernährung – das ist wissenschaftlich bestätigt. Die Lebensmittelpyramide, die dies schon Kindern anschaulich darstellt, wurde nicht von Wissenschaftlern sondern von der amerikanischen Landwirschafts-Behörde entwickelt. WARUM?

Also: Iss selten und iss natürliche Nahrungsmittel, aber nur wenn du gesund und fit bleiben willst.

 

Heiko Weirauch Foto Kohlenhydrate TabelleHeiko Weirauch schloss 2005 sein Studium als Magister für Sport- und Erziehungswissenschaft und sein Diplom als Diät- und Ernährungstherapeuten ab. Er war Leiter des universitären Institutes für Leistungsdiagnostik und Dozent für Trainingswissenschaft an der Universität Halle und entwickelt seit 2007 neue Projekte im Trainingszentren in Merseburg, wie beispielsweise den Ovojumper oder das IT-Shirt. Er ist als Berater und Trainer für Freizeit- und Leistungssportler und als Dozent für die Gesundheitsförderung in Unternehmen tätig. Aktuell entwickelt er eine neuartige Trainingsapp für Wearables mit, die 2015 zusammen mit der Apple Watch auf den Markt kommen wird.

www.wespseistark.de

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Felix Olschewski

Der Mensch muss essen, um zu überleben. Er benötigt Energie und Nährstoffe zur Aufrechterhaltung seiner Körperfunktion.

In freier Wildbahn ist seine Geschichte die eines Opportunisten: Er nahm, was er bekommen, verdauen und verwerten konnte ohne ihn zu vergiften.

Aus dieser Geschichte können wir ablesen, dass die Spezies Mensch in der Geschichte ihrer Evolution abhängig von geographischen und klimatischen Gegebenheiten die verschiedensten Dinge gegessen hat. Zunächst roh, seit Kontrolle des Feuers auch gegart. Das war sein Leben als Jäger und Sammler.

Mit Entwicklung der Landwirtschaft hat sich die Vielfalt seines Speiseplans weitgehend reduziert auf diejenigen Lebensmittel, die sich für eine Domestizierung eigneten (was verhältnismäßig wenige sind). Landwirtschaft ist mit Blick auf die Entwicklung der Spezies ein Meilenstein, denn sie ermöglichte offenbar ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum.

Zur Fortpflanzung genügt ein Überleben bis zur Geschlechtsreife, über den Gesundheitszustand bzw. die umgebungsbedingte Lebenserwartung trägt dies kaum Aussage. Ein Überleben der Eltern bis zur Selbständigkeit des Kindes ist hilfreich für dessen Erfolg.

Inwieweit die landwirtschaftlich bedingten Veränderungen im Leben unserer Spezies sich gesundheitlich auswirken, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Immerhin hat sich durch die Folgen dieses Schrittes unsere Lebenserwartung massiv erhöht. Auch wenn dies vermutlich nicht direkt an der Ernährung liegt, so ist es doch eine indirekte Folge, da erst die Sesshaftwerdung etwa medizinischen Fortschritte ermöglichte.

In der modernen Welt sehen wir sehr gesunde, leistungsfähige und langlebige Menschen mit den verschiedensten Ernährungshintergründen. Es scheint offensichtlich, dass es nicht eine ganz bestimmte, sehr eng gefasste Ernährung gibt, die dieses Ziel ermöglicht.

Im Regelfall jedoch ist diesen Menschen die Wichtigkeit der Ernährung bewusst. Sie achten darauf, die Dinge zu essen, die ihre Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen, gegebenenfalls heilsame Eigenschaften haben und sie nicht vergiften. Für den Menschen des 21. Jahrhunderts kommt erschwerend die Vielfalt und Vermarktung besonders schmackhafter, genießbarer, jedoch gesundheitsschädlicher, verarbeiteter Produkte der Lebensmittelindustrie hinzu. Diesen ambivalenten Signalen begegnen sie mit Sorgfalt und Selbstdisziplin.

Insofern verwenden sie den gleichen Ansatz wie unsere Vorfahren: Sie suchen ihre Nahrung sorgfältig aus.

In der Regel essen diese Menschen kaum Fast Food oder Fertigprodukte und sie sorgen für eine Nährstoffreiche Ernährung. Dies geschieht meist durch frische und vielfältige Zutaten wie abwechslungsreiche Gemüse- und Obstsorten, Salaten, Nüssen und Kräutern.

Auf der anderen Seite wissen wir um die Nährstoffarmut vieler Fertigprodukte und die Auswirkungen einer Ernährung allein von Schokoriegeln, Pizza und Limonade: Menschen mit diesem Speiseplan neigen in der Regel zu Übergewicht und häufigen Erkrankungen.

Zu Regeln gibt es Ausnahmen, doch in der Frist Principles Betrachtung scheint offensichtlich Sorgfalt bei der Auswahl der Lebensmittel sowie eine nährstoffreiche, vielseitige Ernährung der Schlüssel zu hoher Leistungsfähigkeit und optimaler Gesundheit zu sein.

Ebenfalls nach First Principles lässt sich dies am einfachsten und kostengünstigsten durch frische, unbehandelte Lebensmittel erreichen.

Die kulturelle Bedeutung des Essens ist ein ebenfalls häufig vernachlässigter Aspekt der Ernährung. Schon im Tierreich ist das Essen oft mit Ritualen oder sozialen Vorgängen verknüpft. Wir Menschen haben auf dieses Gerüst eine reichhaltige soziale Tradition und (heute zusehends weniger) hohe Wertschätzung gesetzt. Diese haben Auswirkungen auf unser Sozialverhalten und unsere Psyche, welche ebenfalls auf unseren Gesundheitszustand und unsere Leistungsfähigkeit wirkt.

Demnach ist nicht nur relevant, was wir essen, sondern auch, wie wir es essen. Spezifische Daten hierzu sammeln wir erst seit Kurzem und sie sind unvollständig. Das bisher gezeichnete Bild scheint jedoch zu bestätigen, dass Essgewohnheiten, die Gemeinsamkeit, Ruhe und Bewusstsein beinhalten, sich ernährungsphysiologisch positiv auswirken.

Die Folgerung: Sorgfalt bei der Auswahl der Nahrungsmittel, ein ausgewogener, vielseitiger Speiseplan etwa mit verschiedenen Gemüsen, Obstsorten, Salaten, Nüssen und Kräutern sowie gepflegte Essrituale zum Beispiel in Ruhe mit Familie oder Freunden wäre demnach die optimale Ernährung für hohe Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Felix Olschewski Urgeschmack | www.kohlenhydrate-tabellen.comFelix Olschewski ist Autor und Gründer der Website www.urgeschmack.de. Seit 2009 schreibt er dort und in zahlreichen veröffentlichten Büchern über Ernährung und die Zusammenhänge zwischen Genuss, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Kultur.

 

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Herzlichen Dank an dieser Stelle für die tollen Gedanken der drei Experten zum first-principles Denken in puncto Ernährung!

Und nun bist Du an der Reihe :)

Sicher: Für dieses Gedankenexperiment muss man zweifellos seine grauen Zellen ordentlich beanspruchen. Schließlich erfordert es doch, dass man ein Problem bzw. einen Aspekt gedanklich in seine fundamentalen Einzelheiten zerlegt und diese analysiert. Und von diesen Einzelteilen (= fundamentale Wahrheiten) aus wird dann schlussgefolgert. Aber ich bin mir sicher, dass die Erkenntnisse daraus sehr, sehr interessant sein können. Ich bin mir ausserdem sicher, dass in vielen meiner Leser ein paar ‚Gedanken-Goldstücke‘ schlummern, die hier einen wertvollen Beitrag leisten können – auch wenn man keinen Hintergrund als Mediziner, Ernährungsberater etc hat.

Ich bin sehr gespannt auf die Meinung meiner Leser :)

 

P.S.: Teile Deine generelle Meinung und/oder Deine eigenen Erkenntnisse basierend auf dem first principles – Denken unten im Kommentarfeld mit mir und den anderen Lesern. (Falls über dem Kommentar Feld der (englische) Hinweis auftaucht, dass das Kommentieren beendet ist: das ist nicht der Fall, Kommentare sollten weiter möglich sein).

P.P.S.: Lass uns einfach annehmen, dass es keine „dummen“ oder „falschen“ Antworten gibt. Es handelt sich hier um ein gemeinsames Brainstorming, aus dem wir dann die Goldstücke heraus picken können.

P.P.S.: Vielleicht stoßen wir hier ja, gemeinsam, auf eine ganz neue Antwort, um die Frage nach der „gesunden Ernährung“ ad acta legen zu können, weil es erfolgreich gelöst wurde – wer weiß? ;)

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Titelbild:  © levranii – Fotolia.com