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Ernährungspyramide DGE kontra
Ernährungspyramide Harvard Universität

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Auch unsere Ernährungsgewohnheiten unterliegen dem Wandel der Zeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und andere ernährungswissenschaftlich orientierte Institute versorgen uns mit Informationen zu Nahrung, die uns langfristig auch gesund halten soll. Leider stößt man weltweit, ja sogar europaweit, auf widersprüchliche Aussagen.

Harvard University oder DGE?

Auf Basis der in den 1950er Jahren propagierten Ernährungsphilosophie der USA übernahm die DGE das Model der Amerikaner nach 1992 (ein 2-dimensionales Modell). Im Jahre 2005 wurde dieses Model modifiziert und aus dem 2-dimensionalen wurde ein 3-dimensionales Modell. Hier sollte viel getrunken werden, vor allem Mineralwasser. Danach sollten Getreideprodukte mit Brot, Kartoffeln, Nudeln und Teigwaren am meisten verzehrt werden. Obst und Gemüse kamen mengenmäßig erst danach zur Geltung, während Fleisch, Fisch und Milchprodukte nur vereinzelt (einmal pro Woche) verzehrt werden sollten.

Die Schweizer Geschellschaft für Ernährung (SGE) veröffentlichte indes im Jahr 2005 eine Ernährungspyramide, in der nach den Getränken, Obst und Gemüse fünf mal pro Tag in verschiedenen Farben gegessen werden sollten. Die Getreideprodukte, die bei der DGE die Hauptgruppe darstellten, wurden nur als Beilagen zu den Hauptmahlzeiten empfohlen. Ein ähnliches Modell wurde im Jahre 2010 in Form einer 7-Stufen-Pyramide vom Österreichischen Bundesministerium für Ernährung veröffentlicht.

Im Jahre 2006 gab es bereits Veröffentlichungen der Harvard Universität über die bislang weltweit größte Ernährungsstudie, an der weit über 100 Tausend gesunde Männer und Frauen 14 Jahre lang teilnahmen. Vom Einkaufsverhalten bis zur körperlichen Betätigung wuden eine Unmenge an Daten von Doktoranden, Professoren und Hilfskräften gesammelt, eingespeist und ausgewertet. Dieses Projekt wurde unter anderem deswegen ins Leben gerufen, weil auf das Ernährungsmodell von 1992-2005, das unter anderem mit der Fastfood-Welle von der Bevölkerung umgesetzt wurde, alle ernährungsbedingten, gesundheitlichen Folgeerscheinungen (wie Diabetes, Adipositas und Herz-Kreislauferkrankungen) zurück zu führen waren.

Aufgrund unseres zunehmenden Bewegungsmangels, sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Freizeit, hat die Mast mit Kohlenhydraten nicht funktioniert. Die Botschaft „Fett ist ungesund“ hat sich ebenso als irreführend und unwahr herausgestellt, und das nicht erst, seit man beim Cholesterin auch unter HDL (landläufig bekannt als „gutes Cholesterin“) und LDL („schlechtes Cholesterin“) unterscheiden konnte. Eiweiß wirkt stabilisierend auf das Gewicht, hält schlank und den Insulinspiegel flach. Die Kohlenhydrate der Vollkornprodukte verringern Herz-Kreislauferkrankungen.

Die „Healthy Eating Pyramid“
der Harvard Universität

Aus diesen Erkenntnissen heraus wurde die Ernährungspyramide („Healthy Eating Pyramid“) der Harvard Universität wie folgt aufgebaut:

harvard ernährungspyramide kohlenhydrate tabelle


Die Ernährungspyramide der Harvard University; Copyright © 2008 Harvard University. Für weitere Informationen zu The Healthy Eating Pyramid wenden Sie sich bitte an The Nutrition Source, Department of Nutrition, Harvard School of Public Health, http://www.thenutritionsource.org und Eat, Drink, and Be Healthy, von Walter C. Willett, M.D. und Patrick J. Skerrett (2005), Free Press/Simon & Schuster Inc. . Die Verwendung der Healthy Food Pyramid-Bildatei erfolgt mit ausdrücklicher Erlaubnis der Harvard School of Public Health.

Eat, Drink, and Be Healthy, by Walter C. Willett, M.D. and Patrick J. Skerrett (2005), Free Press/Simon & Schuster Inc.

Eat, Drink, and Be Healthy, by Walter C. Willett, M.D. and Patrick J. Skerrett (2005), Free Press/Simon & Schuster Inc.

Nach den Getränken, bestehend aus Wasser, Tee und frischen ungesüßten Säften, stehen Salate, Rohkost und Gemüse und nicht-süße Obstsorten. Danach sollte häufig weisses Fleisch und Fisch auf dem Speiseplan stehen. Süße Obstsorten sollte mengenmäßig erst danach verzehrt werden, Milch und Müsli, sowie „leere“ Kohlenhydrate, die in Weißbrot, Nudeln oder in ähnlichen Lebensmitteln vorhanden sind, sollten nur selten eingenommen werden.

Ausführliche Informationen dazu (wenn auch nur in Englisch) findet man auf der Harvard Webseite.

Auch wenn die DGE mit dem 3-dimensionalen Modell nachgebessert hat, so ist dieses immer noch nicht auf dem neuesten Stand. Auf Grund seiner Komplexität hat es davon abgesehen noch nicht den Weg in alle Kurkliniken oder sonstigen Ernährungsvorträge geschafft hat. In vielen Fällen wird noch mit dem 2-dimensionalen Modell aus der Zeit vor 2005 gearbeitet. Aber auch die 3-dimensionale Pyramide weicht stark von dem ab, was durch Harvard herausgefunden wurde.

Nun könne man behaupten, dass Amerika nicht Europa und schon gar nicht Deutschland sei. Ein Blick in die Lebensmittelregale unserer Supermärkte zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Frischetheken weichen der Fertigkost. Wer sich Fastfood bei den bekannten Fastfood-Ketten nicht leisten will, bekommt es auch beim Discounter.

Es scheint, die Ernährungsempfehlungen der DGE werden bei Ernährungsexperten noch als stark verbesserungswürdig angesehen. Dies belegt eine Anmerkung von Prof. Dr. rer. hum. biol. Ulrike Kämmerer, der hier mit ihrer Erlaubnis abgedruckt wird:

„[…] hoffen wir auf eine Wende – aber wenn ich die neu raus gekommenen 10 Regeln der DGE sehe, auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse (frage mich nur, welche???), dann sehe ich für hier erst mal schwarz“)“

Frau Prof. Kämmerer ist Ihres Zeichens Professorin der Frauenklink und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg. Ihr gesammeltes Wissen in puncto Ernährung und Krebsvorbeugung bzw. –bekämpfung hat sie in ihrem absolut lesenswerten Buch „Krebszellen lieben Zucker – Patienten brauchen Fett” zusammen gestellt.

Nach Harvard gibt es mittlerweile die eine oder andere Ernährungsbewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verworrene Landschaft der Ernährungstipps zu entflechten und endlich Klarheit zu schaffen. Eine der sicherlich am stärksten auf dem Vormarsch befindlichen (wenn auch noch v.a. in den USA) ist mit Sicherheit die sogenannte Paleo Ernährung.

Ein chinesisches Sprichwort besagt:

„Der Dumme lernt aus seinen Fehlern, der Kluge aus den Fehlern der anderen.“

Es scheint große Einigkeit darüber zu geben, dass das amerikanissche Ernährungsmodell alles andere als die gewünschten Ergebnisse gebracht hat. Auch Deutschland ist auf einem ähnlichen Weg. Warum können wir als nicht aus den Fehlern der Anderen lernen, ohne diese erst selbst machen und teuer dafür bezahlen zu müssen?

Welche Meinung haben Sie zum Thema Ernährungspyramiden? Hinterlassen Sie gerne Ihren Kommentar am Ende des Artikels in der dafür vorgesehenen Kommentarfunktion.

Dieser Artikel ist kein medizinischer Ratschlag und ersetzt auf keinen Fall das Gespräch mit einem Facharzt.


Bilderrechte
Foto ‚orange pyramid': Quelle: flickr, Autor: flickr Mitglied Dominique Godbout
Lizenz: Creative Commons by 2.0 de / Kurz

Comments on this entry are closed.

  • Kirstin

    diese Pyramide hat einige Schwächen, die empfohlenen Öle sind nicht alle gut, man sollte vor allem VCO, Rapsöl, Olivenöl oder Butter verwenden. Eine Empfehlung für Sojaprodukte ist ebenfalls kritisch zu sehen… Bei einer auf Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch basierten Ernährung ist auch die Einnahme von Vitaminpillen überflüssig…. Der Ansatz ist nicht schlecht aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

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